Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

Hilfe! Examen!

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Mon, November 10, 2014 14:10:34

Montagmorgen.

Auf den Weg zur Schule erzählte mir meine Mitbewohnerin, dass die Voschulklasse heute mit den Abschlussprüfungen beginnen würde… Ich war kurzzeitig geschockt!
Meine Gedanken: „Das ist meine Klasse! Mir wurde was von nächstem Montag erzählt. Ich wollte diese Woche Wiederholungen machen, hab´ alles vorbereit und ´nen Wochenplan… So eine Scheiße!“

In der Schule angekommen, fragte mich mein Chef, ob ich mir die Aufgaben angesehen habe. Ich meinte: Nein, ich habe sie noch nicht gesehen… Sie lagen im Regal vor mir. Ich packte sie aus. Sah mir erst eine Prüfung an, dann alle weiteren. Mein Adrenalin stieg. Meine jetzigen Gedanken: „Was ist denn das für ein schwerer Scheiß. Das ist alles 1. Klasse-Stoff. Das haben wir nie behandelt. Die Kinder können das gar nicht wissen...“ Ich wurde nervös!

Insgesamt schreibt die Klasse fünf Prüfungen, wurde aber nur in drei Fächern unterrichtet. Ein komplettes Prüfungsthema sind wir nie durchgegangen. Ich konnte es auch nicht in ihren vorherigen Heften entdecken. Es geht um das Thema „Gesundheit“. Darüber steht nichts im Lehrbuch der Vorschule und ich bin gespannt wie wir das regeln… In der Schule gibt es ein Arbeitsheft für die Vorschule. Dieses habe ich komplett durchgearbeitet, ebenso die zwei vorherigen Lehrer. Also sah ich die Kinder auf der sicheren Seite. Leider ist dieses Workbook nicht auf die Prüfungen abgestimmt!
Die Examen hat mein Chef von einer Art Prüfungskomitee gekauft. Somit stehen sie allen Schulen zur Verfügung und könnten vielleicht als zentrale Abschlussprüfungen gesehen werden… Das nächste Schuljahr beginnt im Januar bzw. nach den Ferien, im Februar. Dann werden wir Bücher benutzen, die mein Chef ebenfalls von diesem Ausschuss kaufen möchte. Diese sind dann Prüfungsvorbereitung.

Ich war gerade am Bleistifte Anspitzen, als die vorherige Vorschullehrerin in Zeichensprache zu mir meinte, dass die Prüfungen beginnen würden. Sie nahm die Blätter, fragte mich, mit welcher Prüfung ich beginnen möchte und wir gingen gemeinsam in die Klasse. Ich war sehr froh, die Prüfungen nicht allein durchführen zu müssen. Bereits letzte Woche hatte ich Panik, dass einige der Kinder keine englischen Erklärungen verstehen würden… und „Teacher Stella“ erklärte ihnen alles auf Luganda, was mich beruhigte, aber leider nicht gelassener machte…

Dies war der erste Moment, in dem ich ernsthaft spürte: „Ich bin eine Lehrerin und dies ist meine Klasse – meine Klasse, die nun vor einer sehr wichtigen Aufgabe steht… Ich möchte – ich muss ihnen helfen.“ Ich erinnerte mich an eigene Prüfungssituationen und an meine Lehrer…
Die hilflosen Blicke der Kinder trafen auf meine. Ich war angespannt, stand neben einem Tisch. Stella rief mich leise und meinte: Ich solle mich neben sie setzen. Somit war ich aus dem näheren Umfeld der Kinder verschwunden. Ich ärgerte mich, da ich die erste Aufgabe in den kommenden Tagen mit den Kindern wiederholen wollte. Sie hatten dieses Thema nur ein Mal mit ihrem vorherigen Lehrer behandelt. Mein Arbeitsblatt liegt fertig ausgedruckt in meinen Unterlagen. .. Ich war enttäuscht, da die Kinder, in meinen Augen, gar keine Chance hatten, diese Prüfung gut abzuschließen. Die zweite Aufgabe haben wir nie behandelt. Ich hätte sie auch nie behandelt. „Tiere und die Namen ihrer Jungen“, dieses Thema steht in den Büchern der 1. Klasse… auf die restlichen Aufgaben waren die Kinder, in meinen Augen, gut vorbereitet. Ich sprach mit meinem Chef darüber, dass wir ein Thema nicht behandelt haben. Glücklicherweise schlug er vor, diese Aufgabe als Bonus zu sehen.

Nach der 60minütigen Frühstückspause meinte Stella zu mir, ich solle die leichteste Prüfung raussuchen. Dies tat ich. Seltsamerweise ist diese schlechter ausgefallen als die erste… Natürlich machte ich mir Gedanken, ob ich gut genug unterrichtet hätte. Doch mir ist bewusst geworden, dass ich die Klasse seit 6 Wochen unterrichte. Die Kinder sind aber seit Februar in der Vorschule. Ich möchte mir also keine Vorwürfe machen…

Für die Notenvergabe ist Stelle verantwortlich. Ich bin die Erste, die die Prüfungen kontrolliert und markiert. Stella kontrolliert ein zweites Mal und errechnet die Punkte. Die Schüler bekommen keine Noten von 1 - 6. Auf ihren Blättern steht die erreichte Punktzahl. Insgesamt können sie pro Prüfung 100 Punkte erreichen. Ebenso werden statt Noten wohl Farben verwendet. Dies habe ich heute aber nicht sehen können.

Ich werde euch auf den Laufenden halten :)



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Chaos-Freitag

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Sat, November 08, 2014 07:28:38



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Kunstgalerie

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Mon, November 03, 2014 16:22:38
Ich muss gestehen: Jungs, die künstlerisch talentiert sind, rennen bei mir offene Türen ein und gewinnen sofort mein Herz... In meiner Klasse habe ich einen Jungen, der dies gerade tut. Aber nicht weil er ästhetisch "gut" zeichnen kann, sondern weil in seinen Bildern so viel Ausdruck steckt, ohne großen Schnickschnack zu verwenden - jedenfalls aus meinen Augen betrachtet. Ich möchte nicht weiter darauf eingehen. Ihr könnt euch selbst ein Bild machen. Einige Bilder sind von ihm, zu erkennen ist dies an seinem Zeichenstil... Keines der Motive wurde im Vorhinein von mir beeinflusst. Ich war nur diejenige, die Materialien verteilt hat. Die Kinder hatten zwei Stunden Zeit zu zeichnen, was sie gerade beschäftigt...
... vielleicht könnte man interpretieren, warum "Teacher Jenny" so gezeichnet wurde... vielleicht muss man es auch einfach nicht :)


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Hausaufgabe

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Wed, October 29, 2014 09:57:29
... noch kann ich was ändern, solltet ihr einen Fehler entdecken :)

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Vorschulunterricht

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Sat, October 25, 2014 12:51:22

Die Kinder im PCCP bekommen im Schulalltag keine Noten. Die Voschulkinder schreiben auch nicht wie die anderen Klassen Abschlussklausuren. Seit ein/zwei Wochen bekommen sie von mir Sticker in ihre Hefte. Diese bekommen sie für gute Leistungen bzw. für die jeweilige Anstrengung die dahinter steckt. Ich betrachte jede Leistung individuell. In der Klasse ist dies besonders wichtig, da die Kinder sehr unterschiedliche Stärken sowie Defizite besitzen… bei den Kindern kommen die Sticker super an. Zuerst werden die Bücher nach ihnen durchstöbert, anschließend wird es laut, da sich alle austauschen und freuen. Dann werden mir, mit einem Grinsen im Gesicht, die Sticker gezeigt und oft folgt: „Teacher! Good work!?“ Natürlich hat so ein Belohnungssystem immer zwei Seiten. Die Seite der enttäuschten Kinder gibt es auch. Wobei ich drauf achte, dass die Stickerverteilung ausgeglichen bleibt… außerdem sollen diese nicht selbstverständlich werden. Pädagogisch könnte man an dieser Stelle sicher mehr hinzufügen, vielleicht auch über diese Methode streiten… aber all dies möchte ich hier nicht :)

Außerdem habe ich begonnen den Unterrichtsstoff bildhafter darzustellen. Eine Farbkopie kostet ca. 80 Cent. Womit sie ein absoluter Luxus ist, auch mit meinem „Gehalt“ möchte ich mir das nicht erlauben. Stattdessen habe ich mein Spaß am Zeichnen genutzt und alles selbst gezeichnet. In der gestrigen ersten Stunde haben die Kinder an ihrer Aufgabe gesessen. Ich saß währenddessen im Büro. Dort habe ich ein Bild für die darauffolgende Stunde gemalt. Als der Unterricht vorbei war und ich immer noch freudig an meiner Zeichnung saß, kamen die Kinder und haben mir selbstständig ihre Hefte und Stifte gebracht… vielleicht hätten zwei Kinder zum Transportieren gereicht, jedoch waren es sechs bis sieben. Mein Chef hatte ein Grinsen im Gesicht und meinte: „Jeder will Teacher Jenny sehen.“


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4. Unterrichtswoche

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Thu, October 16, 2014 18:04:57
Kurzes Video vom Unterricht:
https://www.dropbox.com/s/bt5jmw1gjbtlddw/My%20Movie.wmv?dl=0


Diese Woche verging wieder mal im Fluge. Was daran gelegen haben könnte, dass ich einen Tag zu Hause geblieben bin. Von Montag zu Dienstag hatte ich einen kleinen Krankheitsanfall und war Dienstag nicht in der Schule. Mittwoch, in der ersten Stunde war ebenfalls ein anderer Lehrer in der Vorschulklasse. Ich habe während dessen die Hausaufgabe fürs Wochenende erstellt und ausgedruckt. Als ich zum Stifte Anspitzen die Klasse passiert habe, herrschte Stille. Alle waren am arbeiten. Vielleicht kam ein leises „Teacher“ in meine Richtung, es war zaghaft… Ja, „meine“ Klasse kann auch leise sein – ohne mich :) Ich dachte mir in diesem Augenblick: Ab und zu ein anderer Lehrer tut ihnen gut :)

Nach der ersten Stunde haben mir ein paar Drittklässler Luganda beigebracht. Wofür wir ein, von mir mitgebrachtes, Bilderbuch verwendet haben. Dieses beinhaltet Texte in Deutsch und Luganda. Es war eine lustige Angelegenheit, die weitere Kinder anlockte. Nach jedem Satz wurde einmal geklatscht.

In der zweiten Stunde habe ich in der Vorschulklasse unterrichtet. Mit der Begrüßung wurde es wieder einmal zwiespältig. Die Kinder standen von ihren Plätzen auf, rissen ihre Arme in der Luft, wackelten mit ihren Oberkörpern und begrüßten mich mit einem lächelnden „Teacher Jenny“. Mein wirklich aller erster Gedanke: Manno, ihr müsst doch leise sein und still sitzen, wenn ich komme. Ich soll doch eure Lehrerin sein… Ein leises „Ruhe!“ huschte über meine Lippen. Denn dieser Gedanke war nur von kurzer Dauer. In der zweiten Sekunde, kam mir „…ach Scheiß drauf“ in den Kopf. Ich riss meine Arme in die Luft, lächelte und wir machten tanzhafte Bewegungen. Die Kinder setzten sich von allein und ich begrüßte sie mit einem fröhlichen „Guten Morgen!“ Von ihnen folgte ein „Guten Morgen, Lehrerin Jenny.“ Anschließend meine Frage: „Wie geht es euch?“. Worauf die Kinder im Chor antworten: „Danke Lehrerin Jenny. Uns geht es gut!“ Während dieses Szenarios stand mein Chef hinter mir. Ich hatte nicht mitbekommen seit wann…

Zurzeit habe ich das Gefühl, dass alles was mich in Deutschland als Erzieherin auszeichnet, in Kampala keine Rolle spielt. Das Bild des Kindes, des Pädagogen, die Funktionen des Raumes und alles andere was mir, konzeptionell wichtig war, befindet sich abgespeichert in einer kleinen Ecke meines Gehirns und wartet darauf ausgepackt zu werden. Doch gerade habe ich das Empfinden, es ist am wichtigsten durchgängig leise und „anständige“ Klassen zu haben… allein zu dem Wort „anständig“ hatte ich bereits in Deutschland eine spezielle Auffassung… Ich arbeite nun an dem Punkt: So gut es geht, für 60 bis 120 Minuten eine leise, arbeitende Klasse zu haben… vielleicht hattet ihr denselben Gedanken wie ich: „ 60 bis 120 Minuten Unterricht mit Vorschulkindern!?“ Ja, so ist es! Alles was ich gelernt habe, spielt erst einmal keine Rolle. Ich muss mich den Ansichten vor Ort anpassen. Anpassen bedeutet für mich, einen Mittelweg finden. Ich bin nicht in Uganda, um den Zeigefinger zu erheben und mich als „deutsche Besserwisserin“ aufzuspielen. Sollten sich meine Englischkenntnisse erweitern, werde ich dennoch mit den Lehrern bzw. mit meinem Chef über pädagogische Aspekte ins Gespräch kommen...

In den letzten Wochen habe ich des Öfteren mit meinem Chef über den Aspekt „Leise sein“ gesprochen. Ich meinte jedes Mal, dass es langsam besser wird. Jedoch war das mehr eine Vermutung, überzeugt war ich nie. Nach dem heutigen Tag bin ich es. Es wird! Ich kann mich nun sogar im Raum befinden, während sie arbeiten. Zu Beginn war dies nicht möglich! Betrat ich den Raum, war alle Aufmerksamkeit auf mich gerichtet. Es wurde laut und entstand Chaos… heute war ich richtig stolz auf die Kinder! Wir hatten einen spaßigen Tag und guten Unterrichtsverlauf :)

Schaue ich mir die Videos an, die ich von ihnen drehe, dann vermisse ich sie schon jetzt, obwohl wir uns erst in zehn Monaten verabschieden müssen…




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Vorschulklasse

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Thu, October 16, 2014 16:13:57


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Vorschulklasse

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Thu, October 16, 2014 16:09:54


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Vorschulklasse

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Thu, October 16, 2014 16:01:30


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Unterricht

VorschulklassePosted by Jenny Lindner Thu, October 09, 2014 20:20:46


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