Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

"Kinder in Afrika"

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Mon, November 17, 2014 11:46:45

Meine Infoliste wächst ins Unendliche, doch austauschen, möchte ich mich mit euch über etwas anderes.

„Kinder in Afrika sind nicht wie die Kinder bei euch.“ Dieser Satz wurde mir vor zwei Stunden entgegengeworfen. Ich hatte ihn bereits während des Gespräches verstanden, doch seit einer Stunde schwirrt er bewusst in meinem Kopf herum… Nun meine Frage: „Werden Kinder in Afrika mit anderen Stärken und Schwächen geboren, als Kinder in Europa – ist das Kontinent abhängig? Und Kinder in Afrika kommen „schlimm“ auf die Welt?“ Natürlich ist diese Frage nicht ernst gemeint. Sollte jemand von euch diese Frage mit „Ja“ beantworten wollen, dann bitte ich um ein persönliches Gespräch! :)

Kinder sind weltweit gleich, in selben Maße individuell! Die Kultur ist das, was sie unterscheidet und – ungefragt – beeinflusst...


„Kinder in Afrika sind nicht wie die Kinder bei euch.“ Ich habe ein Problem mit diesem Satz, da er Kinder selbst für ihr Leben, für ihren Charakter, für ihre Schwächen und Fähigkeiten verantwortlich macht (jedenfalls kommt das bei mir an). Er wurde als Rechtfertigung für das Verhalten der Lehrer genutzt. Dazu müsst ihr wissen, dass ich ein lockeres Gespräch mit meiner Kollegin hatte. Sie hat mich mit dem Namen „Jennifer“ ausgezogen. Sie weiß, wie viele Andere, dass ich diesen Namen nicht mag. Ich habe ihr erneut erklärt, dass dieser nur auf dem Papier existiert. Ich mich aber nicht mit identifizieren kann. „Jennifer“ vermittelt in meinen Ohren etwas Ernstes, Strenges, wobei „Jenny“ für mich lustiger klingt – „funny“, war das erste und einzige Wort, das mir in den Kopf kam.

Einen Moment vorher hatten wir erneut das Thema „Bin ich Lehrerin oder nicht!?“. Jedes Mal, wenn ich erwähne, dass ich es nicht bin, wirft sie mir einen ernsten Blick entgegen und erwidert streng: „Du bist eine Lehrerin!“. Heute habe ich ihr das erste Mal erklärt, welchen Beruf ich in Deutschland ausübe. Ich erklärte ihr, dass Lehrer „Pädagogen“ sind, ebenso bin ich ein Pädagoge, doch mein Beruf des Erziehers bzw. – leichter verständlich – des Sozialarbeiters unterscheidet sich von dem eines Lehrers. Anschließend habe ich ihr meine möglichen Tätigkeitsbereiche aufgezählt.

Diese zwei Themen haben mich dazu gebracht, ihr von meinen ersten Gedanken in der Schule/im PCCP zu erzählen. In meinem Blog habe ich ausführlich drüber berichtet. Ich erklärte ihr: „Ich habe die Lehrer als kalt, ernst und streng wahrgenommen. Ebenso fiel mir auf, dass ich die ganze Zeit am Grinsen war. Diese zwei Feststellungen verwirrten mich und ich befürchtete mein Lächeln aufgegeben zu müssen…“ Von ihr folgte eine Sekunde lang Verwunderung, anschließend ein kurzes Lachen und die ernste Antwort: „Kinder in Afrika sind nicht wie die Kinder bei euch.“ Hätte mir jemand diesen Satz in Deutschland entgegengebracht, wäre mein „Vortrag“ gestartet (obwohl dies immer von meinem Gegenüber abhängt). Doch auf Grund meiner langen Leitung sowie meiner Argumentationsschwäche im Englischen muss ich diesen Satz, nun in meinem Blog verarbeiten :)

Womit ich ein Problem habe? Ich kann es nicht leiden, dass Menschen aufgrund eines Stück Landes – aufgrund der Erdfläche, auf der sie ungefragt geboren wurden – kategorisiert werden. „Der Mensch“ selbst war es, der Grenzen errichtete – in seinem Kopf sowie zwischen den Erdflächen! Meine Frage immer wieder: Wofür? … und wie bekommt „er“ diese wieder aus seinem Kopf?

Ich brauche keine Grenzen. Ich bin gezwungener Maßen in einer Welt mit Grenzen aufgewachsen und habe nun die Aufgabe, diese zu durchdringen. Mein Standardspruch auf alles: „Die Welt ist doch groß.“ Ich betrachte diese Aspekt nicht politisch oder wirtschaftlich, sondern sozial, kulturell und eher philosophisch. Natürlich kenne ich historische Hintergründe und sogar einen kulturellen Vorteil... in meinem Kopf schwirren weitere Argumente, Aspekte, Wörter dazu herum, doch im Endeffekt sind es nur wirre Gedanken.



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Austausch!?

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Sun, November 09, 2014 17:52:09

Ein Austausch ergibt im besten Fall eine „Win-Win“ Situation, ebenso der kulturelle Austausch. In meinem Fall bedeutet dies, das Glück zu haben, jeden Tag neue Dinge erfahren und ausprobieren zu können. Ebenso beglücke ich Andere mit, für sie, neuen Dingen.

Zum Beispiel damit,

... eine „Aspirin“ in Wasser auflösen, kosten und schlucken zu können,

... Mau-Mau und Rommé während des Stromausfalls erlernen zu können,

... benutzte Ohropax anfassen zu dürfen. Dazu möchte ich sagen, dass mir das Ganze höchst unangenehm war. Mein Gegenüber wurde aber wütend, nachdem ich mich weigerte...

... Schokocornflakes und angebrannten Milchreis essen zu dürfen,

... Geschichten zu hören, warum der Mensch keinen Gott bräuchte, warum er keine Ehe bräuchte, warum Weihnachten (für mich!) ein oberflächiges Fest des Konsums ist und, dass in Deutschland jeder Weihnachten feiert, obwohl der „Großteil“ der Bevölkerung gar nicht religiös ist u.v.m. … Eigentlich ernst gemeinte und sehr persönliche Erklärungen, die aber immer für einen Lacher sorgen. Oft werde ich für lustig und verrückt gehalten, dabei mache ich in diesen Momenten gar keine Witze :)

... von mir „Eine geklebt zu bekommen“, da ich über das lachen muss, was mein Gegenüber sagt... (leider) eine Angewohnheit von mir, die (ganz wichtig!:)) auf Vertrautheit und Sympathie beruht. Meist gebe ich einen Klaps auf die Brust oder auf den Oberarm. Bisher habe ich in diesen Momenten, ebenso das Gefühl gehabt, für witzig und verrückt gehalten zu werden.

... beim Kochen „Jack Johnson“ von der Musikbox hören zu können und das Gefühl zu haben, in einer Salsa-Bar zu sein (wäre ich nie auf eine Verbindung gekommen:)).

... auf Fotos sehen zu können, was Kinder in Deutschland, in meiner Begleitung (oder eben nicht;)) erleben und ausprobieren dürfen.

Dies sind Beispiele, die mir spontan in den Kopf gekommen sind… und ja... ich würd´ sagen, „der kulturelle Austausch" läuft :)



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Nachtrag

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Sat, November 08, 2014 06:44:56
Hier ein kurzer Nachtrag zum Thema "Apfelstrudel":
Es ist nicht schlimm oder hart mit den Kindern über deutsches Essen zu sprechen. Ganz im Gegenteil diese Frage beschäftigt die Kinder am meisten. Als erstes kommt meist: "Was esst ihr in Deutschland? Was ist typisch deutsches Essen? Was ist dein Lieblingsessen?"

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Apfelstrudel

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Thu, November 06, 2014 16:09:18

Mein heutiger Tag war durch Übermüdung geprägt. Ich habe das Haus ungern verlassen und anschließend sehr vermisst…
In der zweiten Stunde saß meine Klasse an einer Matheaufgabe. Ein Schüler der dritten Klasse fragte mich, ob ich ihn unterrichten würde, da kein Lehrer gekommen sei. Ich erwiderte, mein Englisch sei zu schlecht, um gut unterrichten zu können. Daraufhin ging er zurück in die Klasse… Obwohl ich mich nach Hause sehnte, hat mich der Gedanke doch gepackt. Somit überlegte ich, was ich spontan aus meinem Ärmel zaubern könne. Mein Dictionary lag in diesem Moment vor mir. Dieses ist nicht dafür ausgelegt Englisch zu lernen. Es ist an Schüler gerichtet, die Deutsch lernen wollen. Glücklicherweise stehen daher einige Informationen zu Deutschland drin… Also habe ich mich, mit meinem Wörterbuch in der Hand, auf in die 3. Klasse gemacht. Ich fragte, ob sie Interesse hätten etwas über Deutschland zu erfahren und ja, sie waren interessiert… kurzerhand standen Wörter wie Brezel, Stolle, Apfelstrudel und Schwarzwälderkirschtorte an der Tafel – jeweils mit einer englischen Erklärung. Es war ein Klacks für sie das Wort „Stolle“ auszusprechen, Apfelstrudel und Brezel waren etwas schwieriger und mit der Schwarzwälderkirschtorte hatten wir unseren Spaß…



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„Nedda, Teacher!“

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Wed, November 05, 2014 18:21:10

Leute, ich hab ein Problem! Meine Notizliste wird immer länger und ich komme mit dem Abhaken nicht mehr hinterher… Doch ich lasse die Liste heute Liste sein und schreibe stattdessen frei aus´m Bauch raus.

Mein schönster Moment gestern: Ich betrete die Schule. Alle Klassen haben ihren Unterricht begonnen und arbeiten leise an ihren Aufgaben. Ich laufe auf die Wand meiner Klasse zu. Die Kinder entdecken meine Füße und starten mit dem Rufen von „Teacher Jenny“. Ich bleibe am Ende der Wand stehen, bewege nur meinen Kopf langsam nach vorne... Schiele leicht in die Klasse hinein, lächle die Kinder an, worauf sie noch lauter „Teacher Jenny“ rufen… und ich möchte euch nichts vor machen - Wer würde es, nicht genießen, so empfangen zu werden? - Obwohl ich wusste, dass alle anderen Klassen gerade leise und nur meine Kinder laut sind, habe ich den Moment genossen und wieder eine kleine Tanzeinlage hingelegt. Aber nicht, dass ihr denkt, ich tanze wirklich! Es ist eher mit Zappeln vergleichbar :) Aus der Nachbarklasse stand ein Kind in einer Lücke zwischen zwei Wänden, beobachte uns und lächelte mich an.

Mein nervigster Moment heute bzw. kein Moment sondern heutiger Dauerzustand: Ich habe keine Lust mehr Englisch zu sprechen, geschweige es zu hören und verstehen zu müssen. Scherzhaft meine ich zu einem Kumpel, ob er nicht mal Deutsch sprechen könne… und schmeiße ihn ein paar deutsche Sätze an den Kopf.
Nach zwei Monaten habe ich mir gestern ein Wörterbuch „Deutsch-Englisch“ besorgt. Noch in Deutschland dachte ich, ich bräuchte dies nicht - ich lerne Englisch, in dem ich es täglich spreche und höre! Natürlich lerne ich auch immer etwas dazu… doch nicht genug. Die meiste Zeit verbringe ich damit, nach Worten zu suchen :) Heute habe ich in der Schule ein dünnes Wörterbuch „Englisch-Luganda“ entdeckt, worüber ich erfreut war. Dies werde ich für meinen Unterricht nutzen. Für die Kinder und mich ist es immer spaßig, wenn ich Worte in Luganda spreche… und irgendwie schafft dies noch mehr Verbundenheit.

Mein schönster Moment heute: Feierabend. Ich verlasse das Büro. Laufe um die Ecke, auf die Straße. Erblicke von weiten einen Jungen aus meiner Klasse. Er sieht mich, rennt hinter eine Tür und ruft „Teacher Jenny“… Anschließend stürmen fünf Kinder aus der Tür hervor, laufen auf mich zu, schreien ebenfalls „Teacher Jenny“… Ich lächel sie an, halte meinen Rucksack fest, renne ihnen entgegen, dann an ihnen vorbei und vor ihnen davon. Ohne zu überlegen rennen sie mir mit einem Lachen hinterher. Nach gefühlten 100 Metern stoppe ich. Liz umschließt meinen rechten Arm mit einem Lächeln im Gesicht und murmelt „My teacher. My teacher…“ - das war mein schönster Moment heute. Natürlich ist es schwer diesen per Internet nachvollziehbar zu machen… Doch ihr müsst wissen, sie sprach diese zwei Worte voller Glück, Stolz und Herzlichkeit - diese Gefühle sind bei mir angekommen.



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Ich will sagen...

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Mon, November 03, 2014 05:23:23

So soll es sein.
So kann es bleiben.
So hab ich es mir gewünscht.



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Tag 55

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Sun, November 02, 2014 17:33:05

Am Freitag war ich mit einem ugandischen Freund in einer Bar, die wir bereits unter der Woche besucht hatten. Diesen letzten Abend habe ich aufgrund einer tollen Live-Band sehr genossen. Am Halloweenabend habe ich dort andere deutsche Freiwillige getroffen. Mit denen ich – mehr oder weniger - eine Halloweenparty genossen habe. Mehr oder weniger da die Hälfte der Besucher aus Europa, Amerika oder China waren, was mich eher ab getörnt hat… außerdem lief Chart-Musik, die ich schon in Deutschland nie leiden konnte… und mit Halloween kann ich eigentlich auch nicht viel anfangen – ich war also eindeutig auf der falschen Party :) Daher hatte ich recht schnell die Lokation gewechselt…

Das restliche Wochenende habe ich zuhause verbracht. Ich hatte Besuch von einheimischen Kumpels. Wir haben deutsche Filme, sowie englisch sprachige Serien geguckt, zudem lief deutsche Musik aus den 90ern, so was wie Kelly Family, Marusha und Blümchen. Für mich war es absurd, aber sehr belustigend mit ugandischen Leuten ausgerechnet diese Musik zu hören. Um den „kulturellen Austausch“ zu fördern, habe ich sie in die Vergangenheit der Kelly Family eingeweiht und ihnen verraten, dass die Wände meines Kinderzimmers bis zur Decke voll mit Postern von ihr waren… natürlich hat dieses Geheimnis in Uganda eine andere Bedeutung als in Deutschland :)



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