Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

2014

Dez 2014Posted by Jenny Lindner Wed, December 31, 2014 23:30:22
... ich bin dankbar für jede tolle sowie schlechte Erfahrung, die ich im Jahr 2014 machen durfte, dankbar für jeden Menschen, der mir begegnet ist - dennoch, am meisten dankbar für jegliche Unterstützung eurerseits! Ich habe es anderen Menschen/euch zu verdanken, dass ich mir meinen Lebenstraum erfüllen konnte - das ist unglaublich. Klingt total platt, aber das ist es; ohne eure Geld- und Sachspenden hätte ich die erwünschte Endsumme nie erreicht.

Mein neues Jahr hat bereits vor 90 Minuten begonnen. Ihr dürft das alte noch genießen. Ich hoffe, ihr hattet einen Abend, der nach euren eigenen Vorstellungen verlaufen ist.
Ich verabschiede mich mit dem süßesten Feuerwerk, was ich je in einer Hauptstadt sehen durfte:

https://www.dropbox.com/s/bl7lvw1n1pryrg7/Silvester%20in%20Kampala.wmv?dl=0

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Weihnachtstage

Dez 2014Posted by Jenny Lindner Sun, December 28, 2014 13:35:17

Es ist Trockenzeit in Uganda. Doch hatte ich andere Vorstellungen von „Trockenzeit“. Ich vermutete jeden Tag in der brütenden Sonne verbringen zu müssen und vor Hitze zu sterben. Aber ich wurde eines Besseren belehrt. Seit ungefähr einer Woche ist es täglich bewölkt und Regen fällt. Gestern trat die Sonne das erste Mal für mehrere Stunden hervor... Jeden Tag, zwischen vier und fünf Uhr nachmittags steht die Sonne auf unserer Terrasse. Für mich bedeutet dies: „Balkonzeit“. Ich nehme mir eine Matte, ein Buch und etwas zu trinken, um mich eigentlich nur zu sonnen. Womit ich „typisch Musungu“ wäre. Meine Nachbarin fragt mich jedes Mal, ob ich die Sonne nicht fürchten würde; ob ich es mögen würde, in der heißen Sonne zu sitzen…

Ich möchte euch von meinen letzten Tagen berichten. Am 24.12. war ich spontan in der Stadt unterwegs... und wieder habe ich festgestellt, wie ähnlich sich Menschen weltweit sein können: Als ich den Supermarkt betrat, musste ich schmunzeln. Die geschätzt fünfzehn Kassen waren übersät mit langen Schlangen kaufwütiger Menschen. Ähnlich wie ich es aus Deutschland kenne. Mein Plan war es eine Haarspülung zu kaufen. Einen Moment überlegte ich, ob ich den Supermarkt wirklich betreten wolle, doch ich habe mir den Spaß gegönnt… Allgemein war die Stadt voll wie nie zu vor und das obwohl Kampala immer überfüllt ist. Die Infrastruktur Kampalas wurde für eine geringere Einwohnerzahl ausgelegt, wodurch es nun täglich zu stundenlangen Staus kommen kann…

Den Heiligabend habe ich im „Irish Pub“ verbracht. Mein einprägsamster Moment dort: Es lief „Ein Hoch auf uns“ von Andreas Bourani. Ich unterbrach mein Gespräch und näherte mich der Tanzfläche, um ungestört mitsingen zu können. Jegliche Gesprächsversuche von außen stoppte ich. Dennoch sind mir die Blicke aufgefallen, die auf mich fielen – leider war ich die einzige, die den Text kannte ;)

Am ersten Weihnachtsfeiertag setzte ich meinen, vor Tagen geschmiedeten, Plan um. Ich fuhr zum Supermarkt, um teure und „tolle“ Lebensmittel zu kaufen. Lebensmittel, die in Deutschland selbstverständlich schienen. Im Korb lagen: Salami, Schinken, Butter, Sandwichkäse, Weihnachtsplätzchen, sowie grüne Weintrauben und „natürlich“ Nutella. Außerdem Pappteller und Messer. Der Lachs war leider aus. Im benachbarten Restaurant mit eigener Bäckerei kaufte ich knuspriges Körnerbrot. Insgesamt habe ich 30 Euro – in meinen Augen – auf den Kopf gehauen. Das Bezahlen an der Kasse gab mir ein beklemmendes Gefühl. Das erste Mal in meinem Leben empfand ich, ich würde zur Oberschicht gehören. Daher schämte ich mich eher, als mich zu freuen.

Bepackt mit Lebensmitteln, stieg ich in ein Taxi, um nach Entebbe zu fahren. Plan war es, den Tag mit Picknick am Strand zu verbringen. Jedoch kamen schwarze Regenwolken dazwischen. Ich verabredete mich mit einem Freund. Woraufhin wir uns bei ihm zu Hause trafen. Als er meinte, er habe Hunger und müsse etwas zu essen besorgen, verwies ich ihn auf meinen Rucksack. Kurz darauf lagen alle Lebensmittel vor uns verteilt, zum Verspeisen bereit. Als erstes roch ich an allem – diese gewohnten, aber lang ersehnten Gerüche waren herrlich! Für meinen Freund waren diese Lebensmittel alles andere als gewohnt. Es war das erste Mal, dass er Körnerbrot, Butter, Käse, Nutella und Weintrauben verspeiste. An Salami und Schinken hatte er sich nicht herangewagt. Am Ende war von allem etwas übrig, was mir den folgenden Morgen versüßte: Es war toll aufzuwachen und zu wissen, dass Nutella-Brötchen und Weintrauben auf mich warten!

Es war der 26.Dezember. In Uganda bedeutet dies: „Boxing Day“. Im Radio sprachen sie davon und auf Plakaten konnte man von lesen. Über dessen Bedeutung konnte ich unterschiedliche Texte im Internet finden. Im ugandischen Radio erklärten sie, dass sei der Tag der Geschenkvergabe, obwohl sie selbst keine Geschenke verteilen würden…

Kurz zu meinem gestrigen Tag: Ich habe mir den neuen Film mit der Schauspielerin Reeth Witherspoon angesehen: „The Good Lie“. Laut Internet kommt er im April in die deutschen Kinos. Als ich den Film das erste Mal im „Moviestore“ entdeckte, habe ich ihn nicht gekauft. Ich war eher abgeturnt vom Titelbild und schloss auf eine klischeehafte Story. Doch nachdem ich den Film das dritte Mal in meinen Händen hielt, landete er in meinem Beutel. Gestern habe ich ihn gesehen und sehr genossen…

Hier eine kurze und geklaute Inhaltsangabe:
„Der brutale Bürgerkrieg, der 1983 im Sudan wütet, macht unzählige Menschen zu Flüchtlingen, unter ihnen auch Mamere, Theo, Abital und Jeremiah. Sie haben ihre Familie verloren und sind seit Kindesbeinen an auf sich alleingestellt. Nach 13 Jahren in einem Flüchtlingslager werden drei von ihnen ausgewählt, um an einem Hilfsprogramm teilzunehmen, bei dem 3600 Flüchtlinge in die USA gebracht werden. Als sie in Kansas eintreffen, werden sie von Carrie Davis empfangen, die ihnen eigentlich nur ihre neuen Jobs beschaffen soll. Doch sie nimmt sich ihrer an, hilft ihnen, sich in der komplett fremden Welt zu orientieren und setzt sich schließlich auch dafür ein, dass die noch fehlende Abital ebenfalls immigrieren kann. Doch all diese Aufgaben gestalten sich schwieriger, als zuerst gedacht…“ Quelle: http://www.filmstarts.de/kritiken/218982.html



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Tag 107

Dez 2014Posted by Jenny Lindner Tue, December 23, 2014 14:01:36

In den letzten Tagen spielt mir der Strom einen Streich. Von Donnerstag zu Samstag war er weg, heute ist er es leider wieder. Daher sitze ich im benachbarten Internetcafé − in welchem ich schon eine Menge Geld für hunderte Arbeitsblätter gelassen habe…

Zu aller erst möchte ich euch, von meinen letzten Gesprächen mit meiner Kollegin Stella berichten. Am Freitag saßen wir erneut zusammen, um unseren „Microsoft Word“ Kurs zu bestreiten… Worauf sie mich hinwies, dass ihre Schwester jetzt im Internetcafe des PCCP’ s arbeitet. Jedoch wollte sie betonen, dass dies ihre richtige Schwester ist und die beiden nur eine Mutter und einen Vater haben. Sie spielte damit auf meine Familienkonstellation an, die in ihren Augen seltsam erscheint. Ich habe davon kurz in meinem letzten Eintrag berichtet.

Einen Moment später betrachtete sie das Hintergrundbild meines Laptops. Auf diesem sind Kinder des PCCP´ s und meine Wenigkeit abgebildet. Stella äußerte: „Würden deine Freunde in Deutschland dieses Foto sehen, würden sie sicher denken: Jenny zusammen mit Affen.“ Ich erwiderte ihr, dass niemand meiner Freunde so denken würde. Dabei muss ich die Worte „black people“ verwendet haben. Anschließend fragte sie mich: „Sind wir wirklich schwarz und seid ihr wirklich weiß? Seid ihr nicht! Du bist braun und ich bin braun.“ Wir hielten unsere Arme aneinander… und natürlich hatte sie Recht! Sie fügte hinzu, dass sie nicht wie ein Affe aussehe. Sie sah auf ein weiteres Foto, erblickte einen Schmetterling und meinte: „Ich bin ein Schmetterling.“ Wir lachten und ich stimmte ihr zu. Mich hat sie ein Chamäleon getauft. Wobei ich erwiderte, dass sie damit sogar Recht habe, sprechen wir dabei über das Thema „Hautfarbe“. Meine Hautfarbe kann sich je nach Rahmenbedingung verändern. Ihre erscheint immer gleich...

Am Ende unserer Stunde kamen wir erneut auf das Thema „Religion“. Sie äußerte, ich sei der einzige Mensch in ihrem Leben, der keine Religion vertritt. Wobei dies in ihren Augen immer noch seltsam erscheint. Sie stellte mir viele, verschiedene Fragen...
„Wer hat dich erschaffen?“ Für mich ganz klar: meine Eltern, deren Eltern und viele Lebewesen zu vor. „Wer hat deine Eltern und alle Lebewesen erschaffen?“ „Das ist wissenschaftlich erklärbar, kann ich aber nur auf Deutsch verständlich machen.“ „Glaubst du an den Himmel?“ „Ob ich daran glaube? Ich kann ihn sehen – da dieses blaue Etwas über uns.“ „Kommst du nach deinem Tot nicht in den Himmel?“ „Keine Ahnung, ich bin nicht tot, wie soll ich das wissen?“ „Oh, du wirst in die Hölle kommen.“ Ich lachte: „Nein, nein, Gott mag mich.“ Sie daraufhin: „Oohh. Aahh. Was für ein Gott!?“ „Na dein Gott! Er kann mich sehen, weil ich bei dir bin und er mag mich sicher. Außerdem kennt er mich, weil so viele Menschen in Kampala für mich beten.“ „Ja, ich werde dich auch in meine Gebete einschließen.“ Woraufhin ich mich lachend verabschiedete…

Freitag sowie Samstagabend war ich im „Bubbles“, in dem besagten Irish Pub. Dieses besuchte ich zuvor lieber unter der Woche. Doch an diesen beiden Wochenendtagen habe ich es sehr genossen. Hingegangen bin ich allein. Doch einige Leute unter euch wissen, dass ich damit keine Probleme habe. Außerdem war mir bewusst, dass ich nicht lange allein sein werde. Mit meinen afrikanischen Haaren wurde ich mehr als zuvor von fremden Männern angemacht – darunter nicht nur Einheimische sondern genauso Europäer und Amerikaner. Man könnte vielleicht meinen, dass wäre schmeichelnd. Doch wenn mehrere Männer (4 bis 7) gleichzeitig um dich buhlen, kann das leicht die Stimmung versauen...

Samstagabend fiel mir als erstes auf, das einige Männer Weihnachtsmannmützen trugen. Während ich diese beim Tanzen beobachtete, sprach mich ein unbekanntes Gesicht an. Obwohl „William“ nicht der erste an diesem Abend war, war ich ihm gegenüber positiv gestimmt. Wir verbrachten den ganzen Abend mal mehr und mal weniger miteinander. Zu allererst sprachen wir über die Musik, welche grade im Hintergrund lief. Es kam irgendetwas elektronisches, womit ich „Bumm-Bumm-Musik“ meine. Ich erklärte ihm, dass dies der Grund sei, weshalb ich am Wochenende nicht gerne ins „Bubbles“ gehe – Es ist mir zu sehr auf europäische und amerikanische Touristen abgestimmt. Er fragte mich, was ich gerne hören würde. Woraufhin ich „Reggae und Dancehall“ erwiderte, was ihn wiederum erfreute. Wie mit vielen Männern zu vor, sind wir auf das Thema „Tanzen“ gekommen. Nicht nur Europäer haben Vorurteile über Afrikaner, auch andersherum ist es der Fall. Alle Ugander, die ich getroffen habe, waren der Meinung Europäer könnten nicht tanzen. Da ich dieselben Europäer beim Tanzen beobachtet habe, kann ich verstehen, warum sie dieses Bild in ihren Köpfen haben…

An dieser Stelle möchte ich erwähnen, dass ich in den ersten 2 ½ Monaten Kampala nicht ein Mal richtig getanzt habe. Ich bin selten eingeschüchtert, doch was dieses Thema betrifft, war ich es! Die Mehrheit der Ugander, egal ob Frau oder Mann, kann in meinen Augen super tanzen. Jedoch war es für mich jedes Mal ein Schlag ins Gesicht, wenn Leute meinten, mir zeigen zu wollen, wie man zu Reggae oder afrikanischer Musik zu tanzen habe. Ich erwiderte stets, dass man mir das nicht zeigen müsse. Wobei mir einleuchtete, warum sie dies taten. Wahrscheinlich wirkte meine Zurückhaltung schüchtern oder unsicher... Seitdem ich einen Abend mit „Hanna“ aus war - einer deutschen Mitfreiwilligen, die gut tanzen kann - bin ich wieder die Alte. Das heißt, ich tanze und tanze und tanze… und ihr werdet es nicht glauben, afrikanische Männer sowie Frauen sind überrascht und beeindruckt davon. Nun werde ich gefragt, ob ich zeigen könnte, wie ich tanze…

An diesem Abend lernte ich auch „Patrick“ kennen. Der vor einigen Tagen sein erstes Mal in Deutschland bzw. Berlin verbracht hat und mich mit seinen Erzählungen neidisch machte. Unter anderem berichtete er mir vom Weihnachtsmarkt – einer der Dinge die ich wirklich vermisst habe… Er selbst arbeitet in einem sozialen Projekt für Straßenkinder. Wobei er Zirkuspädagogik/Akrobatik unterrichtet. Dies hat er ebenso in Berlin getan. Gestern Abend haben wir uns erneut getroffen. Dieses Mal zeigte er mir Videos von seiner Arbeit in Berlin. Er veranstaltete mit deutschen Jugendlichen eine Show auf der Warschauerstraße. Wobei diese auch für ihn ein einzigartiges Erlebnis war… Aufgrund seiner Arbeit hat er „natürlich“ mein Interesse geweckt, ebenso war es toll eine gemeinsame Verbindung zu Berlin zu haben.

Nun noch eine kleine Randbemerkung: Ich habe am Samstag ebenfalls meine „getwisteten“ Haare entfernt und dabei – ungelogen – die Hälfte meiner echten Haare verloren. Meine Haare zu kämmen, war noch nie so dramatisch wie in diesen Minuten!



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Labyrinth

Dez 2014Posted by Jenny Lindner Wed, December 17, 2014 16:58:44

Bereits gestern habe ich angefangen einen neuen Blogeintrag zu schreiben. Ich wollte euch, von meinen letzten zwei Wochen berichten. Diese waren zum größten Teil frustrierend, daher hielt sich meine Lust zum Schreiben in Grenzen. Meinen gestrigen Text habe ich gelöscht… und siehe da, heute ist alles anders: Obwohl ich total „im Arsch“ bin und gleich wieder los muss, habe ich das starke Bedürfnis meinen heutigen Tag festzuhalten…

Seit Montag gehe ich wieder jeden Tag zur Schule, das heißt, wenn nichts dazwischen kommt: Montagmorgen gab es keinen Strom. Gestern war ich dort, jedoch funktionierte der Computer nicht. Heute bin ich mit meinen Laptop zur Arbeit gegangen. Leider ist mir aufgefallen, dass es nichts bringt, jemanden in Microsoft Word zu unterrichten, wenn das Programm auf Deutsch programmiert ist. Woraufhin meine Kollegin Stella und ich mit dem Unterricht gedanklich abgeschlossen hatten. Stattdessen sah sich Stella meine Familienfotos auf dem Laptop an. Diese liefen als Bildschirmschoner und Diashow... Dass meine jüngere Schwester ein Kind hat, obwohl ich die Erstgeborene bin und mein Papa eine Freundin, sowie Exfreundin hatte, die jeweils eigene Kinder haben, die nicht von ihm sind - Aspekte wie diese, brachten sie zum Lachen... Fünf Minuten später bot uns unser Chef seinen Laptop an. Zwei Stunden saß Stella konzentriert an ihren Aufgaben.
An dieser Stelle sollte ich erwähnen, dass ich den kompletten Kurs aus dem Internet gezogen habe. Das heißt: auf Englisch, mit ausführlichen Erklärungen, Bildern und Übungen. All dies habe ich ihr ausgedruckt, als Hefter und als Datei auf Computer überreicht. Anfangs konnte sie damit nichts anfangen, doch heute verstand sie, warum ich meinte, sie bräuchte mich nicht zum Lernen... Um zwölf kam die nächste „Schülerin“. Diese Frau lebt in der Nähe der Schule, kennt mich nur vom Sehen und war daher vielleicht etwas schüchtern. Die Kommunikation zwischen uns war erschwert und ich eher unzufrieden mit dem Unterricht.

Kurz nach ein Uhr habe ich mich auf den Weg in den Slum gemacht, um Liz, eine Schülerin, zu besuchen. Mein Ziel war es, Handzettel bzw. Einladungen an die Kinder der Vorschulklasse zu verteilen. Im Januar möchte ich ein Recycling-Bastel-Projekt starten, wovon jedoch noch niemand wusste. Ich war mir sicher: Besuche ich Liz, wird mich diese, zu allen anderen Kindern führen. An ihrem Haus angekommen, sah ich sie, an einem Zuckerrohr knabbern. Die Frauen drum herum konnten sich aufgrund meines letzten Besuches an mich erinnern. Sie lächelten und riefen nach Liz. Diese erblickte mich, rief mit einem breiten Grinsen „Teacher Jenny!“, rannte mir entgegen und wir umarmten uns. Die Einladung hat sie ihrer Tante in die Hände gedrückt. Ohne sie fragen zu müssen, lief sie mit mir los. Leider war mir nicht bewusst, worauf ich mich eingelassen hatte…

Als erstes liefen wir zu Sabiri. Ein Junge aus unserer Klasse. Ich sprach mit seiner Mama, die wie viele Frauen und Männer, vor der Haustür befand. Als Sabiri mich erblickte, schien er irritiert. Doch auch er folgte uns ohne Aufforderung. Nach unseren ersten gemeinsamen Schritten nahm er mich an die Hand und begrüßte mich mit einem freudigen „Teacher Jenny“. Ganz in seiner Nähe wohnen weitere fünf Kinder aus unserer Klasse – wir besuchten sie alle. Aus uns Drei wurde nach und nach eine lustige Kindertraube. Zudem begleiteten uns Kinder, die ich nie zu vor gesehen hatte.
Wir liefen viele enge und verzweigte Wege, sprangen über dreckige Bäche, liefen über Mauern, befanden uns in engen Passagen zwischen kleinen Häusern, bogen mal rechts, mal links und dann schräg ab. Nach einer Stunde hatte ich das Gefühl, viel zu viele Kinder besucht zu haben – „Mit so vielen Kindern könnte ich niemals gleichzeitig kreativ arbeiten!“ Blickte ich auf meine Zettel, wurde mir bewusst, wir besuchten gerade mal zehn. Mein Oberkörper war verschwitzt, ich total kaputt, meine Arme und Gesicht knallrot und mein Rucksack zu schwer und zudem wurde mir bewusst, dass ich ohne die Kinder niemals aus diesem Labyrinth heraus finden werde. Wahrscheinlich ist die Fläche des Slums gar nicht riesig, aufgrund der hundert Verzweigungen machte es nur diesen Anschein. Gerade deshalb war ich umso beeindruckter von den Kindern. Sie kannten jede enge Abzweigung zwischen den Häusern, selbst Wege, die ich nie als Wege erkannt hätte…

Innerhalb dieser ersten Stunde habe ich so viele Menschen, so viele Situationen erblickt und so viele Reize wahrgenommen… nach den letzten (insgesamt) vier frustrierenden Wochen, habe ich mich endlich wieder bestätigt gefühlt, dass es für mich nicht wichtig ist, umherzureisen. Sondern mein Augenmerk auf meine Arbeit, die Menschen und Orte hier in Kampala zu legen. Denn das war von Beginn an mein persönliches Ziel…
Vielleicht habt ihr bemerkt, dass ich „innerhalb dieser ERSTEN Stunde“ geschrieben habe. Ich fühlte mich bereits am Ende, doch es folgte eine weitere Stunde im Labyrinth. Nun hatten sich die Kinder angeboten, meinen Rucksack zu tragen. Dieser war aufgrund meines alten Laptops selbst für mich unangenehm, doch die Kinder bestanden darauf, ihn mir ab zu nehmen. Woraufhin ich mich erleichtert fühlte, jedoch drüber nachdachte, wie es dem Rücken des tragenden Kindes ergehen würde… Den Kindern fielen immer weitere Schüler für einen Besuch ein. Jedoch bat ich Liz, mir den Weg zur Schule zu zeigen. Sie und fünf andere Kinder begleiteten mich von der Schule aus bis zur nächsten Hauptstraße – der Ggaba Road, welche ich täglich überquere.

Nach diesem langen Weg war es verständlich für mich, dass Liz mich um Wasser bat. Wir liefen an kleinen Ständen vorbei, zwischendurch fiel das Wort „Chocolate“, doch danach fragte mich niemand. In einem Shop erblickte ich „Fanta“. Ich bat die Kinder, sich auf die davor stehende Bank zu setzen und kaufte ihnen zwei Flaschen zum Teilen. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie oft man „den letzten, kleinen Schluck“ in einer Flasche teilen kann :) Für mich war es, sehr süß anzusehen. Die Kinder bedankten sich anschließend bei mir. Woraufhin ich ihnen erklären wollte, dass ich mich zu bedanken habe. Immerhin begleiteten sie mich zwei Stunden und mir halfen, die Zettel zu verteilen. Leider war dafür die Sprachbarriere zu groß.



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Mit kolonialen Grüßen

Dez 2014Posted by Jenny Lindner Tue, December 16, 2014 20:50:13
Könnte ich etwas festlegen, dann würde ich, diese Broschüre „als ein Muss“ für all meine Blog-Leser festlegen ;)


Hier gibt´s die Broschüre kostenfrei:

http://www.asa-programm.de/fileadmin/Redaktion/PDF/PDF-Formulare-allgemein/MitKolonialenGr%C3%BC%C3%9Fen.pdf

Wer stattdessen lieber etwas in den Händen hält, kann sie hier bestellen:

http://www.glokal.org/bestellung-der-broschuere-mit-kolonialen-gruessen/

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