Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

Der letzte Bericht

Über michPosted by Jenny Lindner Thu, August 20, 2015 20:06:55

„Weltwärts“ versteht sich als Lerndienst für junge Leute, in dem die persönliche Entwicklung der Freiwilligen im Vordergrund steht… so oder so ähnlich wurden meine Mitfreiwilligen und ich an unsere Arbeit, an unser Leben in Uganda herangeführt. „Der Freiwilligendienst solle vorrangig meiner eigenen Entwicklung dienen!?“, schwirrte wochenlang skeptisch in meinem Kopf herum. Oh und ja, nach elf Monaten habe ich es endlich kapiert. Auf die Frage: „Was hat dir dein Freiwilligendienst insgesamt gebracht?“ habe ich tatsächlich eine ganz persönliche Antwort: Elf Jahre lang habe ich „geträumt“, aus Deutschland weg zu gehen. Trotz Freunde und Familie war das Fernweh groß und Deutschland kein Ort, den ich als „zu Hause“ bezeichnet hätte. Ich war auf der Suche nach genau diesem „zu Hause“... und habe es nun gefunden. Mein „zu Hause“ ist kein Ort – es sind die Menschen, die mich lieben, kennen und verstehen! Mit dieser Erkenntnis kann ich mein Leben in Uganda beruhigt abschließen. Denn trotz vieler, guter Bekanntschaften, Kumpels und einer besten Freundin in Kampala, befinden sich die, vorher beschriebenen, Menschen nicht in Uganda sondern in Deutschland. Wodurch mein Abschied eine schöne Wende bekommt.

Diesen Menschen verdanke ich es ebenso, dass ich mein Ziel des interkulturellen Austauschs zwischen Uganda und Deutschland in die Tat umsetzen konnte. Unter anderem haben sich eine Handvoll Schulen an diesem Prozess beteiligt, wofür ich überaus dankbar bin.

Das Interesse und die Unterstützung von mir bekannten und unbekannten Personen haben mich immer wieder aufs Neue erfreut. Durch Austausch meiner Erfahrungen und dem Gelernten hoffe ich weiterhin, im Kleinen, an der gesellschaftlichen Bewusstseinsförderung mitwirken zu können.

Mir war immer klar, dass mir als Deutsche ein sehr freies, individuelles und alternatives Leben möglich ist. Dennoch weiß ich diesen Aspekt nun um vieles mehr zu schätzen. In Kampala habe ich diese Art von Leben nur selten in der Gesellschaft spüren können, wodurch ich mich selbst etwas verloren habe – Ein weiterer Grund mich auf meinen folgenden Lebensweg zu freuen. Mein erlerntes Luganda-Englisch möchte ich mir dabei erhalten bzw. ausbauen. Eine Rückreise nach Uganda, eine anhaltende Zusammenarbeit mit dem PCCP und weitere Projektkooperationen sind bereits geplant.

Natürlich hat mir der Freiwilligendienst viele weitere Dinge gebracht – Jedoch schwirren die meisten noch unbewusst in meinem Inneren herum. Dennoch ist eines klar: meine interkulturelle Kompetenz hat sich auf praktischer Ebene um ein Vielfaches erweitert. Meine Erfahrungen mit Menschen in Uganda möchte ich nicht missen. Der Freiwilligendienst ermöglichte mir ein realistisches Eintauchen in das vielfältige Leben Ugandas, welches so nur eine Auswanderung ermöglichen könnte… Die lustigste Erkenntnis habe ich außerhalb Kampalas erworben und möchte diese gerne weitertragen: Ein Kleinwagen bietet genug Platz für zwei Fahrer, zwei Beifahrer und sechs Begleitpersonen auf der Rücksitzbank.

Von Anfang an bewundert (jedoch nie festgehalten), habe ich den Aspekt, dass im PCCP zwei Religionen gelehrt werden. Alle Schüler werden an das Christentum, ebenso an den Islam herangeführt. Wobei die Kinder jeweils einer Religion angehören. Da ich selbst keine Religion vertrete, war ich unsicher, ob ich mir dazu eine Meinung erlauben darf. Daher belasse ich es bei einer kurzen Erwähnung.

Ich bin froh diesen Weg mit VIA e.V. gegangen zu sein.



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Leben. Lieben. Lachen

Über michPosted by Jenny Lindner Thu, July 16, 2015 16:03:19

„Madam Jenny mag es zu lachen. Sobald sie eines ihrer Kinder sieht, lächelt sie.“
Mit diesem Zitat hat mir ein Mädchen der 4. Klasse heute Freude bereitet. Sie selbst kennt mich nur vom Sehen, dennoch beschrieb sie mich auf diese Weise... Das Bild ist ebenfalls von einer ihrer Mitschülerinnen... womit mein letzter Unterrichtstag erfolgreich beendet wurde :)



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Sonntagsgrüße

Über michPosted by Jenny Lindner Sun, July 12, 2015 20:38:00

Ein paar der lieben Leute unter euch haben mich spüren lassen, dass sie sich freuen, mich bald zurück zu haben…
und ja, ich freue mich auch – auf´s Essen :P

Dennoch möchte ich eine kurze Minute der Trauer einberufen – Am morgigen Tag beginnt die letzte Woche meiner Lehrerlaufbahn! Alles vorbei danach: Kein „Teacher Jenny“. Keine gefühlt 100 Bleistifte am Tag anspitzen. Keine Begleitung auf dem Nachhauseweg. Kein traditionelles Abfragen des Datums zum Tagesbeginn. Kein Kreidestaub auf den Klamotten oder Löcher in ihnen durch frei stehende Nägel… falls ihr euch denkt, dass seien seltsame Dinge zum Vermissen – natürlich werden mir die Situationen mit den Kindern und meiner Freundin Stella fehlen. Aber diese tollen Momente erlebe ich zum Glück so ähnlich auch in Deutschland :)

Am Ende der Woche präsentiere ich allen Kindern im PCCP meine aufgenommen Videos und Bilder. Eventuell gibt es weiteres Programm... Dank der lieben Spender unter euch findet am Samstag der Abschlusstag für die 1. Klasse statt. Bisher sind Kinderschminken, Picknick und die Zirkus-/Akrobatikshow geplant. Über alles weitere halte ich euch mit Bild/Video auf dem Laufenden. In der darauffolgenden Woche beginnt die Prüfungszeit. Für mich heißt das: Beobachten, Korrigieren, Sortieren und Zeugnisse schreiben. Anschließend folgen Ferien.

Und das war für euch ein kurzer Einblick in meine kommenden, zugleich letzten Wochen. Damit verabschiede ich mich und wünsche einen erholsamen Tag :)



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3. Quartalsbericht

Über michPosted by Jenny Lindner Tue, June 23, 2015 11:35:38

Seit meinem letzten Bericht sind drei Monate vergangen. Blicke ich auf diese Zeit zurück, hebt sich ein Erlebnis hervor – Der Urlaub bei der Familie/Verwandtschaft meiner Kollegin und Freundin Stella, wird immer ein Highlight meines Freiwilligendienstes sein. Dieser ermöglichte mir einen differenzierten Einblick in die Naturschönheit Ugandas, vor allem aber in die Lebensrealität der Menschen außerhalb Kampalas. Die Teilhabe und Mitwirkung an ihrem Alltag ermöglichte mir einen Blick auf ihre – sowie meine eigene – Kultur. Im täglichen beisammen Leben kam es beinah im Minutentakt zum kulturellen Austausch. Wobei dieser stets aus gegenseitigem Interesse, Lernbereitschaft und einer großen Prise Humor bestand. Aber auch das Leben und Arbeiten in Kampala ermöglicht mir, mich mit Menschen über ihre individuellen Vorstellungen, Ideen und Perspektiven austauschen. Wodurch ich weiterhin auf eine Verbesserung meines Englisch baue.
Wobei zu erwähnen ist, dass gerade mein „schlechtes“ Englisch für viele unterhaltsame Gespräche sorgt. Meine fehlenden Sprachkenntnisse in Kombination mit dem Titel „English-Teacher“ sorgen für einen lustigen Einstieg in neue Unterhaltungen. Wodurch mein Englisch nun keine Hürde mehr darstellt, ich selbst sein können… Aufgrund der starken Sprachbarriere zu Beginn meines Dienstes, hatte ich die Befürchtung mich nie von meiner „wahren“ Seite zeigen zu können. Nun vermute ich, dass auch ein paar ugandische Freunde all meine Macken kennen.

In der letzten Woche habe ich dennoch, eine negative Veränderung in mir feststellen können – ich bin genervt, genervt von oberflächigen Gesprächen, von immer gleichen Fragen, von immer gleichen Sprüchen, welche ich täglich auf der Straße, beim Ausgehen oder auf einem Boda-Boda sitzend, zu hören bekomme. Natürlich kann und möchte ich niemanden zum Vorwurf machen, dass er an einem Gespräch mit mir interessiert ist. Jedoch fällt es mir jeden Tag schwerer eine ausführliche Antwort zu geben. Was wiederum Auslöser dafür ist, dass ich mich das erste Mal nach einem Aufenthalt in Deutschland sehne. In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, egal wie lang ich in Kampala/Uganda lebe, egal wie einheimisch ich mich fühle und bestenfalls verhalte, für die Mehrheit mir fremder Personen werde ich im ersten Augenblick, immer ein Tourist und „Muzungu“ sein. Neun Monate lang konnte ich damit locker und positiv umgehen, doch brauche ich nun eine neue „Strategie“…

In den letzten drei Wochen habe ich an einem Luganda-Kurs teilgenommen. Die erlernten Worte wende ich gerne bei den Kindern der 1. Klasse an, jedoch reicht es nicht für tiefer gehende Gespräche. Dies bereitet mir vor allem Probleme, wenn ich mehr über das Privatleben der Kinder erfahren möchte. Statt selbst mit den Kindern zu sprechen, bitte ich Stella, bestimmte Gesprächsthemen zu führen. Als ahnungslose Zuhörerin beende ich die Gespräche meist gespalten. Dennoch habe ich zu den Kindern ein offenes und vertrautes Verhältnis. Die Sprachbarriere hindert uns nicht am gemeinsamen Spaß haben und Lernen. Mit der Entwicklung meiner eigenen Unterrichtsführung ebenso meiner Rolle „Lehrerin“ bin ich zufrieden. Beides ist nicht mit vor neun Monaten vergleichbar. Ich bin nicht mehr nur die locker, witzige. Stattdessen lege ich meinen Schwerpunkt auf die individuelle Lernentwicklung der Kinder. Wofür ich ebenso auf eine klare sowie strenge Führung zurückgreife. Am wichtigsten ist mir jedoch die Motivation und Freude der Kinder am Lernen zu entwickeln bzw. zu erhalten, wobei ich auf mehr Abwechslung der Unterrichtsmethoden sowie Interaktion in der Klasse setze… da ich nach neun Monaten immer noch mit Freudengesang von der Klasse begrüßt werde, motivieren die Kinder mich gleichermaßen.

Privat beschäftigt mich weiterhin das Thema „Flüchtlingshilfe“. Wobei ich seit gestern eine Frage im Kopf habe:
„Wie können dieselben Personen, die meinen Freiwilligendienst in Uganda, sowie mich aufgrund meiner Toleranz und Weltoffenheit unterstützen, fordern, dass Deutschland aufhören muss, sich um Flüchtlinge zu kümmern?" Natürlich habe ich darüber nachgedacht und mir fallen Erklärungen ein, dennoch bin ich wieder einmal enttäuscht, wach gerüttelt worden.



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Auszug 2. Quartalsbericht

Über michPosted by Jenny Lindner Tue, March 03, 2015 13:59:16

Was mir mein Freiwilligendienst bisher gebracht hat? Heimat.
Heimat in einem afrikanischen Land, welches jeden Tag verständlicher ebenso vertrauter erscheint. Ein zu Hause, in dem ich mehr und mehr „Ich“ sein kann und das Glück habe, von Einheimischen als dazugehörig wahrgenommen zu werden. Das größte Kompliment, das mir Bekannte und Freunde machen konnten, ist mich, aufgrund unserer Gemeinsamkeiten, nicht als „Deutsche“, sondern „Uganderin“ zu sehen. Wodurch sie mein Heimatgefühl verstärken und mir ein zu Hause ermöglichen, in dem ich Sicherheit, Anerkennung sowie Gewohnheit spüre… all dies in einem kulturellen Rahmen, der mir vor sechs Monaten fremd erschien, heute jedoch meine Lebenswelt darstellt. Eine Lebenswelt die sich so nah und normal anfühlt, dass es mir schwer fällt über Besonderheiten zu berichten.

Vor einem Monat hat das neue Schuljahr begonnen. Wobei ich dieselbe Klasse begleite, wie bereits im letzten Jahr. Trotz durchschnittlicher Sprachkenntnisse hatte ich das Vertrauen meines Chefs und durfte von Beginn an sowie eigenständig eine Klasse unterrichten. Seit Februar teile ich mir diese Aufgabe mit einer Kollegin, die gleichzeitig eine gute Freundin ist. Jeden Tag erwarten uns aufgeschlossene und lernwillige Kinder, wobei diese Eigenschaften ebenso auf meine Kollegin zu treffen. Dies und unsere freundschaftliche Basis, ermöglichen einen offenen Austausch. Themen, wie „Gewalt an Kindern“ konnten und können wir ungehemmt besprechen. Es gibt nur einen Aspekt, den ich während meiner Arbeit vermisse: dies ist der sprachliche Austausch mit den Kindern. Da die englisch Kenntnisse auf beiden Seiten zu wünschen übrig lassen und ich kein Luganda beherrsche, verläuft unsere Kommunikation hauptsächlich nonverbal. Worin wir alle sehr gut sind und trotz dessen großen Spaß miteinander haben, jedoch ist meine pädagogische Arbeit nur beschränkt möglich. Wobei mir dafür meine Kollegin zur Seite steht. Wir unterstützen uns gegenseitig für eine abwechslungsreiche und anregende Unterrichtsgestaltung, wobei wir mehr und mehr auf Individualität der Kinder achten. Die Pausen verbringen wir ebenso mit den Kindern, wobei dieses Freispiel musikalisch begleitet und mit Hilfe einer Kamera von den Kindern dokumentiert wird. Jeden Tag nehme ich wertvolle Momente für uns alle wahr und ich habe das schöne Gefühl, dass uns weitere tolle Zeiten erwarten.



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Kontakt

Über michPosted by Jenny Lindner Tue, February 10, 2015 09:25:01
Gestern habe ich mir eine Kleinigkeit gegönnt: ein ugandisches Smartphone. Gekostet hat es mich 90 Euro und ist mit anderen Smartphones vergleichbar. Viele meiner ugandischen Freunde/Bekanntschaften besitzen ein Smartphone. Wobei ich mich immer gegen gesträubt habe. Vor einigen Tagen muss sich etwas in meinem Kopf verändert haben - was kann ich nicht sagen :)

Jedenfalls bin ich wieder per Whats App erreichbar: +256 758 956605

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1.Quartalsbericht

Über michPosted by Jenny Lindner Sun, December 07, 2014 20:25:41

Alle drei Monate haben Freiwillige, wie ich es einer bin, die Aufgabe einen Quartalsbericht zu schreiben. Dieser wird an VIA e.V. und „weltwärts“ geschickt. Dient somit der Rückmeldung, ebenso der Selbstreflexion. Ich habe diesen Bericht lange vor mich hin geschoben. Da ich ständig Berichte auf diesem Blog schreibe, hat mich diese Aufgabe eher frustriert, als erfreut. Doch beinhaltet der Text eine kurze Zusammenfassung der letzten drei Monate und gleichzeitig der letzten (gefühlt) 100 Blogeinträge ;) Bzw. steht „vielleicht“ auch etwas für euch Neues drin…

Wo soll ich anfangen, wenn ich mein Ankommen und Einleben der letzten drei Monate beschreiben soll? Angekommen und Eingelebt? Das habe ich mich nach gefühlt vier Wochen. Was wiederum bedeutet, dies ist acht Wochen her... Jedoch kann ich mich gut an meinen ersten Tag und an den ersten Moment in meinem neuen zu Hause erinnern. In diesen Stunden habe ich meinen ersten, größten und bisher einzigen Schock auf ugandischen Boden erlebt. Welcher allein durch eine leere und dreckige Wohnung ausgelöst wurde. Jeder Raum war komplett ausgeräumt, lediglich ein Bett war vorhanden. Normalerweise liebe ich es, mich als Raumgestalter austoben zu können. Doch ausgerechnet jetzt und hier? Ohne eigenes Geld, ohne jegliche Idee: Wo kann ich, was einkaufen und wie bekommt man das wiederum zum Haus? Freundlicherweise hat mir mein Chef, die komplette erste Woche frei gegeben. Jedoch ist, in der ersten Woche nicht viel zustande gekommen. Ich war noch nicht bereit, mich um die Einrichtung der Wohnung zu kümmern – war ich doch aus anderen Gründen nach Uganda gekommen… Wohnlich wurde es innerhalb des ersten Monats.

Zudem ging es nach diesem kurzen und anfänglichen Tief nur noch bergauf für mich. Ich war und bin dankbar im PCCP arbeiten zu dürfen und bin ebenso dankbar für ein tolles Leben in Uganda. Ein tolles Leben, welches sich innerhalb weniger Wochen normal und alltäglich angefühlt hat – dies jedoch im positiven Sinn! Die Phase der Euphorie habe ich nie erreicht, habe jedoch jeden Tag genießen können.
Bereits nach meiner ersten Woche in der Schule wurde mir eine eigene Klasse anvertraut. Ab sofort war ich Klassenlehrerin der Vorschulklasse. Dies beinhaltete, den Unterricht in allen Fächern selbst durchzuführen: Mathematik, Englisch, Schreiben und Kunst. Ich war dankbar für das Vertrauen, was mir entgegengebracht wurde. Ebenso, als gelernte Erzieherin, froh über diese neue Herausforderung. Eine Vorschule zu gestalten, wäre in Deutschland kein Problem für mich, jedoch schien mir die Vorschule im PCCP wie eine 1./2. Klasse. Was wiederum bedeutete, ich war keine Erzieherin sondern ab sofort „richtige“ Lehrerin. Sah ich mir die Lehrer der Schule an, schienen mir diese streng und ernst während ihres Unterrichts. Die Kinder fürchteten sie… waren schweigsam, sobald sich einer der Lehrer näherte. Betrat ich den Raum, wurde getanzt, geschrien und gelacht. Wie sollte aus mir jemals eine Lehrerin werden? Eine Lehrerin, mit der meine Kollegen zufrieden sein könnten. Jedenfalls dachte ich anfänglich, mich anpassen zu müssen, um sie zufrieden zu stellen. Jedoch habe ich diesen Gedanken wieder abgelegt – Ich könnte niemals eine ernst zu nehmende und authentische Lehrerin werden, würde ich dafür meine Persönlichkeit verleugnen. Stattdessen fing ich an den gemeinsamen Spaß mit den Kindern zu genießen. Wichtig war es mir, dass sie lernen, während ihrer Stillarbeiten und im mündlichen Austausch konzentriert und ruhig zu arbeiten. Wobei die Herausforderung war, diese Konzentration und Stille zu halten, während ich mich im Raum befand. Nachdem wir in unserem gegenseitigen Lernprozess gut vorangekommen waren, war die Schulzeit bereits wieder vorbei. Es folgten die Abschlussprüfungen sowie anschließende Ferien.

Da die leere Wohnung mein einziges „Problem“ war, lässt das daraus schließen, dass ich von einem Kulturschock verschont geblieben bin. Vielleicht hat er mich erschlichen und ich habe ihn nicht bewusst erlebt… Genau weiß ich es nicht. Jedoch hatte ich seit dreizehn Jahren das Ziel in einem afrikanischen Land und dortigen Sozialprojekt tätig zu werden, wodurch ich mich in keiner Sekunde „ins kalte Wasser geschmissen“, gefühlt habe. Ich war mehr als bereit, mich auf neue und ungewohnte Situationen einzustellen. Dennoch habe ich, den ersten Moment allein als weiße Frau, durch die Straßen meiner Nachbarschaft laufend, als aufregend und zugleich angespannt erlebt. Viele Fragen und Gedanken sind mir damals durch den Kopf geschwirrt, welche heute keine Rolle mehr spielen. Heute entdecke ich bekannte Gesichter, denen ich Vertrauen und Freude schenke, da auch sie mir dies entgegenbringen. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede zwischen mir und meinen Nachbarn, doch begegnen mir täglich genauso viele Gemeinsamkeiten. Gespräche, gemeinsam durchlebte Alltagssituationen und eine Prise Humor verhelfen aus fremden Denk- und Handelsweisen etwas Neues entstehen zu lassen. Oft begegnen mir Momente, in denen ich den gemeinsamen Austausch als eine Bereicherung für beide Seiten empfinde.

Dennoch stoße ich beim Austausch an meine persönlichen Grenzen. Kommunikation ist zwar möglich, jedoch vermisse ich tiefgründige und vor allem fachliche Gespräche. Leider sind diese aufgrund meines verjährten Schulenglisches nicht möglich. Dieser Aspekt beschäftigt mich, auf privater sowie beruflicher Ebene, seit ein paar Wochen. Ich würde mich sehr gerne, fachlich mit meinem Chef sowie meinen Kollegen austauschen können. In der Hoffnung ebenso auf schulischer Ebene eine Bereicherung für beide Seiten sichtbar werden zu lassen. Ein Beispiel könnte der Aspekt „Gewalt an Kindern“ sein. Die Kinder im PCCP werden von ihren Lehrern geschlagen, sowie zum gegenseitigen Schlagen erzogen. Jedoch habe ich diese Momente, bewusst nie emotional an mich heran gelassen. Ebenso habe ich mich bereits in Deutschland mit Situationen wie diesen auseinandergesetzt, unter anderem aufgrund meines Berufes. Leider könnte ich aufgrund meiner Sprachbarriere keinen fachlich, wertvollen Austausch zu diesem Thema führen. Jedoch hoffe ich, ein praktisches Vorbild in und mit „meiner“ Klasse sein zu können. Dann könnte dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt aufgegriffen werden.

Zurzeit sind Ferien, was die Arbeit im PCCP in den letzten drei Wochen minimierte. Jedoch führe ich nächste Woche einen Computerkurs weiter und hoffe weitere Ferienprojekte umsetzen zu können. Mein Ziel ist es in den kompletten Ferien zu arbeiten. Außerdem möchte ich Ideen für ein nachhaltiges Projekt sammeln, um dieses im nächsten Schuljahr starten zu können. Pädagogische Angebote kann ich, aufgrund des eingeräumten Freiraumes durch meinen Chef, jeder Zeit im Unterricht ebenso danach umsetzen. Dies werde ich tun. Jedoch beschäftigten mich die unwürdigen Lebensumstände und die Grundbedürfnisse der Kinder und ihrer Familien. Zurzeit spiele ich mit dem Gedanken ein Projekt auf systemischer Ebene planen zu wollen. Ebenso wichtig ist mir eine beinhaltende Nachhaltigkeit. Leider „stehe“ ich noch „auf den Schlauch“. Erhoffe mir in den nächsten Wochen jedoch einen klareren Blick.



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Dezember!

Über michPosted by Jenny Lindner Tue, December 02, 2014 14:45:18

Gerade habe ich auf Facebook die ersten Fotos von weihnachtlich dekorierten Wohnzimmern entdeckt. An Winter und Weihnachten in Deutschland erinnert zu werden, fühlt sich seltsam an. Gestern früh habe ich auf mein Handy gesehen, den 1.12. entdeckt und fühlte mich im falschen Film.
Es ist Dezember und mir wird bewusst, dass ich Bilder und Gefühle mit Dezember verbinde, die es auf diesem Kontinent nicht gibt. Ich versuche gerne Gemeinsamkeiten aufzeigen und Grenzen abzubauen, doch gerade fühle ich mich wie in einer zweiten Welt. Derzeit spielen die Monate gar keine Rolle für mich. Sie zeigen mir lediglich, wann Ferien sowie Schultage sind und wie lange ich noch in Uganda bleiben darf…
Bunte Laubbäume, kahl werdende Äste, der erste frostige Wind im Gesicht, durchgefrorene Gliedmaßen, aufgeheizte Räume, Kuschelatmosphäre bei Kerzenschein, Lebkuchen, Schneeflocken an den Augenbrauen und Schichtsystem der Klamotten habe bzw. werde ich verpassen. Sind dies für euch vielleicht alltägliche Dinge, sind es für mich Aspekte, die ich – zugegebenermaßen – etwas vermisse. Gegen einen Kurzurlaub, der mich zurück in die Realität holt und mir zeigt, dass ich schnell nach Uganda zurück möchte, hätte ich nichts einzuwenden :) Denn gleichermaßen, wie ich diese Momente genießen würde, würden mich andere Aspekte nerven...

Da in Uganda und Afrika Weihnachten gefeiert wird – wie überall auf der Welt (denke ich) – möchte ich euch meinen diesjährigen Weihnachtsbaum präsentieren und wünsche euch eine schöne Winterzeit.


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Lieblingsbuch

Über michPosted by Jenny Lindner Mon, November 17, 2014 14:25:37

Es klingt total kitschig – und normalerweise bekomm ich Ausschlag von zu viel Kitsch – doch dieser Beitrag geht an meine verstorbene Oma…

Vor meiner Abreise habe ich mir ein kleines Heft gekauft. „Lieblingsbuch“ steht auf dem Cover. In dieses haben mir nahestehende Menschen Worte der Erinnerung und Fotos eingetragen. Meine Absicht war es, einen Gegenstand zu haben, der mich an all meine Lieben erinnert… Gestern war es so weit: Ich öffnete zum ersten Mal das Buch, lass mir Texte durch, sah mir Bilder an… Den gestrigen Tag habe ich traurig erlebt, doch die Gründe sind nicht weltbewegend. Ich hätte gerne mit jemanden in meiner Muttersprache gesprochen, war aber nicht allein. Ein Kumpel war bei mir und sah sich mit mir die Fotos im Buch an. Das war das erste Mal, dass ich einem Ugander mein zu Hause, meine Freunde und Familie gezeigt habe. Geschichten über meine lebende und einzigartige Oma hat er schon viele gehört. Dieses Mal fragte er nach meiner zweiten Oma. Ich erwiderte nur, diese sei verstorben und blätterte zur nächsten Seite. Auf dieser befand sich das letzte Portrait von ihr. Er sah sich das Bild an... und haute tatsächlich raus: „Oh, deine Oma war heiß! Du kannst dich glücklich schätzen, diese Oma gehabt zu haben. Von ihr hast du die Schönheit, genauso wie deine Mama…“

Ich erzähle euch nichts Neues; es ist wichtig jemanden zu haben, mit dem man sich ernsthaft über Probleme austauschen kann. Genauso wichtig und schön ist es auch, jemanden zu haben, der dich mit Witz und Charme von deinen Sorgen ablenken kann! Jedoch bin ich unsicher, ob dies in dem Moment bewusste Absicht war :)

Für mich war dieser und bereits ein voriger Moment berührend, da meine Oma dadurch einen winzig-kleinen Teil an meiner Reise teilhaben konnte. Den ersten Moment habe ich in Deutschland auf einem Flohmarktverkauf erlebt. Mit dem Verkauf hatte ich Geld für das Jahr in Uganda gesammelt… Als ich ihre vergoldeten Teller verkaufen konnte, diese der Kundin überreichte und deren Geld dafür annahm, hat mich dieser Moment damals eingefangen. Ich war nicht traurig oder emotional, sondern glücklich, dass sie mich ohne ihre Anwesenheit unterstützen konnte.

Das soll´s gewesen sein mit dem kitschigen Blabla… es flogt wieder etwas Kulturelles :)



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Über michPosted by Jenny Lindner Wed, November 05, 2014 18:44:57
Hier noch mal ein Foto für die Leute, die so anständig sind und auf Facebook verzichten ...

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