Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

Barfuß in Afrika!

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Sun, September 28, 2014 21:05:52


Ich bin verliebt – verliebt in diesen Tag!

Nach drei Wochen Uganda spüre ich in mir endlich die Liebe zu Afrika, von der ich in Deutschland immer erzählt habe…

Heute habe ich meinen Plan umgesetzt und bin in das „Mabira Forest Reserve“ gefahren. Schon auf der Hinfahrt war ich sehr entspannt, nachdem ich aus dem Taxi ausstieg und eine Schar Vögel zwitschern hören konnte, wurde die Entspannung größer… rechts von mir befand sich bereits Wald, auf der linken Seite standen Häuser. Ich lief einen Weg, bis ich zum offiziellen Eingang des Resorts gelangte… an der Rezeption hatten sie für diesen Nachmittag wohl nicht mehr mit Besuch gerechnet. Sie erklärten mir, nächste Mal schon am Morgen zu kommen, für heute kann ich nur eine kurze Strecke laufen… für mich war das okay, ich wollte es gar nicht kompliziert – einfach nur die Natur genießen… woraufhin mir gesagt wurde, man könne nur mit einem Guide laufen – Darauf hatte ich ja so gar keine Lust und der kostet mich auch noch 10 Euro – und das obwohl ich nur spazieren gehen wollte… Da die zwei Stunden Fahrt nicht umsonst gewesen sein sollten, habe ich eingewilligt. Der Mann an der Rezeption wurde auch gleich zu meinem persönlichen Guide… Kaum die ersten Schritte gelaufen, stoppte er uns und meinte, er müsse mir etwas über die Geschichte des Waldes erzählen… Ich dachte nur: Das war´s mit entspannen und Natur genießen, stattdessen muss ich mir wieder Englisch reinziehen und mich konzentrieren, um irgendwas verstehen zu können… zum Glück hatte ich mich im Vorfeld über die Geschichte des Waldes belesen :)

Nachdem er die ersten fünf Minuten erzählt hat, durfte ich dann laufen… das hieß, er ist, egal wie eng der Pfad war, stets direkt neben mir gelaufen… Versuche vor oder hinter ihm zu gehen, sind permanent gescheitert, denn er wollte mir ja vom Wald und den Bäumen erzählen :) In meinem entspannten Zustand, kam er mir wie eine Quasselstrippe vor! Nachdem er mir, die Frage stellte, ob ich etwas über die Arten der Bäume wissen wolle, denn dafür sei er ja da – antwortete ich ihm ehrlich, dass ich wahrscheinlich nur die Hälfte verstehen würde und ich in den Wald gekommen bin, um zu entspannen. Er müsse mir also nicht viel bzw. gar nichts erzählen. Von dieser Antwort schien er irritiert. Ich hatte das Gefühl, ihn damit in eine Zwickmühle gebracht zu haben, denn es schien, als könne er gar nicht anders als zu reden... und nun kommt da doch noch ´ne Touristin, will aber das er schweigt :) Er meinte, er versuche ruhig zu sein, wenn ich Fragen habe, kann ich diese jederzeit stellen… Für zwei/drei Minuten schwiegen wir uns eher krampfhaft an. Natürlich hielt er nicht lange durch und meinte, bevor er mit dem Leisesein beginnt, muss er mir noch was erzählen… und ja, ich habe vergessen, was er war…

Ab diesen Moment fand ich die ganze Situation nur noch lustig und habe mir ein Lachen verkniffen – was nicht lang anhielt, während er erzählte, wurde mein Grinsen breiter und breiter… wovon er wiederum irritiert schien und ich ihm mit einem Lächeln erklärte, dass ich die Situation lustig finde, da ich hergekommen bin um zu entspannen und nun läuft er neben mir und erzählt und erzählt und kann nicht aufhören zu erzählen… in meinem schlechten Englisch, kann man das vielleicht auch negativ auffassen. Ich fand es aber wirklich im positiven Sinne lustig - Habe ihm auch versucht zu erklären, dass es so okay sei… woraufhin er meinte: Okay, dann entspannen wir nun und sind leise… nach einer Minute schweigen, erwiderte ich ihm: Er könne ruhig sprechen, wenn er das Bedürfnis danach hat… Denn in diesem Moment fühlte ich mich unwohl und dachte, ihn vielleicht gekränkt zu haben… Naja, jedenfalls war das die ganze Zeit ein ganz lustiges Hin- und Her. Wir mussten uns irgendwie arrangieren…

Gerade, als ich über eine Ameisenherde lief, meinte er anzuhalten, da er glaubte, einen Affen gehört zu haben... da ich auch etwas hörte, blieb ich mit stehen und lies die Ameisen über meine Füße krabbeln... als er seinen Blick von den Bäumen abwendete, blickte er erschrocken auf meine Beine und pickte mir mit seinen Fingern die Ameisen von den Füßen :) Ich meinte: das wäre nicht so schlimm... wovon er sich nicht abhielten ließ.

Auf einmal fing es an zu regnen! Der Boden wurde rutschig… und ich hatte Flipflops an... bin auch einmal kurz ausgerutscht, als mein Tuch mir die Sicht versperrte. Was mir, als „möchte gern“ starke Frau, sogar etwas peinlich war… irgendwann meinte er, wir sollten uns unter einen Baum stellen… ein Baum mit doch eher kleinen Blättern… Er versuchte mir aus einen Ast ´nen Regenschirm zu bauen, wie er es formulierte…
Ja und so standen wir vielleicht zwanzig Minuten unter einem Baum, wurden aber genauso nass, wie hätten wir neben dem Baum gestanden :) und wir waren wirklich pitschnass, wie einmal in See gesprungen. Er meinte, wenn es regnet, bringt es nur was, den Regen einfach abzuwarten. Er wird schon bald von allein weniger… Jedes Mal nachdem er das sagte, wurde der Regen stärker :)

Nachdem wir durchnässt waren, fiel mir dann ein: Ich habe ja noch einen Regenponcho in meinem durchweichten Beutel :D Den holte ich raus und packte ihn als Dach über unsere beiden Köpfe. Wir standen nah beieinander unter dem Baum. Er fand meine Idee super und meinte ich wäre sehr kreativ. Ich dachte mir nur: Er kann froh sein, dass ich den Poncho teile und nicht einfach anziehe :D Aber ich bin ja nett ;)

Kurz darauf haben wir beschlossen, doch weiterzulaufen bzw. zu rennen. Ich habe ihm den Poncho über den Kopf gezogen, mir mein Tuch und bin mit meinen Flipflops über den Boden geschlittert… um sicherer zu laufen, zog ich die Schuhe aus und meinte, dass ich lieber barfuß laufe – die nächste Aktion, die ihn irritierte :) Wir sind dann durch Pfützen und schlammigen Boden gerannt. Er wurde immer schneller und hatte es sehr eilig an eine nahe liegende Hütte zu kommen.
...und dort saßen wir dann auf einer Bank unter einem kleinen Dach…
allgemein fühlte ich mich, aufgrund der nassen Klamotten und ganzen Situation in meiner Privatsphäre „gestört“, wobei gestört das falsche Wort ist, denn ich fand das ganze immer noch sehr lustig… aber wir wurden in eine unerwartete Situation gebracht, die man so vielleicht nicht mit einem Fremden erlebt…
dennoch war ich in diesem Moment sehr glücklich, da war egal, dass mein Makeup verlief :) Im Sitzen, versuchte er dann meine Hose auszuwringen und das obwohl ich sie noch an hatte :) Im Allgemeinen muss ich sagen, hat er sich super um mich gekümmert, manchmal sogar etwas zu viel, was mich dann belustigte...

Nach zehn Minuten sitzen, mussten wir nur noch einen kurzen Weg zurück zur Rezeption. Dort kamen wir beide zitternd an. Ich fragte ihn und seine zwei Kolleginnen, ob sie meinen, ein Taxifahrer würde mich in diesen Klamotten mitnehmen… und ihr glaubt nicht, was dann passierte! Sie versuchten alles, um mir zu helfen… Ich bekam ein afrikanisches Tuch und sollte meine Hose ausziehen. Stattdessen band ich mir das Tuch um die Hüfte… Mein Guide fing an meine Hose zu waschen und meinte, ich solle mich zum Trocknen in die Sonne stellen und das, obwohl er selbst klitschnass war und fror…
Ja, und so stand ich da, auf einer kleinen Holzbrücke, mit einem gelb-blauen Tuch um den Beinen, am Geländer und genoss diesen einmaligen Moment… währenddessen drei fremde Leute aus reiner Freundlichkeit meine Sachen bügelten, um sie etwas trocken zu können. Die Wartezeit verschönerte der Guide mir dann, in dem er mir doch noch Sachen über den Wald erzählte :)

Jetzt, nachdem ich den Text geschrieben habe, bin ich mir nicht sicher, ob man als Außenstehender nachvollziehen kann, warum ich ausgerechnet in diesen Tag verliebt bin, aber er war wirklich toll… und im Endeffekt war ich froh, ihn bei mir gehabt zu haben, denn allein hätte mich der Regen sicher nur frustriert…

Fotos gibt es dann nach meinem nächsten Besuch ohne Regen. Für heute war ich froh, dass meine Kamera die Zeit im Beutel überlebt hat :)

Auch auf Rückfahrt mit dem Taxi sind mir viele tolle Momente begegnet, von denen ich euch eigentlich auch berichten wollte, doch für heute ist es zu spät… Meine Liste, mit Dingen die ich euch erzählen möchte, füllt sich immer mehr :)

… ich möchte aber noch erwähnen, dass ich danach in einem Supermarkt im Zentrum der Stadt war und es lief Musik von der Sängerin Dido. Sie sang ständig „… I´m in love…“ und ich muss gestehen, in solchen Momenten frage ich mich: Kann das wirklich Zufall sein? Denn die ganze Zeit während der Rückfahrt, hatte ich genau diesen Satz im Kopf… und ich wusste, das wird der erste Satz sein, den ich euch heute schreibe… und dann kommt genau darauf so ein Song im Supermarkt…



  • Comments(5)//www.barfuss-in-afrika.de/#post40

Tag 18

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Fri, September 26, 2014 19:39:36

Da mich gestern die Reiselust gepackt hat und ich viele Pläne für heute und die Tage hatte, dachte ich, euch frühestens Montag zu schreiben… aber: „Es kommt immer anders als man denkt.“ :) Seit Mittwoch bin ich erkältet… und heute liege ich flach… Dabei wollte ich gleich von der Arbeit aus in einen tollen Wald fahren…
Ich weiß noch genau, wie ich zu meiner Freundin Anne meinte: „Ich brauch in meiner Reiseapotheke nichts für Erkältungen oder ähnlichem.“ Und sie mir erwiderte: „Aber die Leute bekommen doch auch Erkältungen.“ Worauf ich wiederum dachte: „Ja die Leute, aber nicht ich. Eher bekomme ich Malaria.“ Das war natürlich vorschnell und naiv gedacht, denn ich hatte vergessen: Ich arbeite mit Kindern… und da in Kampala gerade Regenzeit herrscht, sind ein paar Kinder in der Klasse erkältet und husten um sich :) Dazu muss ich sagen, dass ich in der Regel gelassen mit kindlichen Verhalten umgehe – aber, wenn mir jemand auf mein Essen niest und mir direkt ins Gesicht hustet, dann… dann, muss ich ganz „stark bleiben“! :)

Da ich heute nicht viel erlebt habe, möchte ich die Gelegenheit nutzen und Werbung für meine Bettlektüre machen. Ich lese gerade „Weltenbummler – Eine Familie bereist dreißig Monate die Welt“ (Wagnis Weltreise: Eine Familie lebt den großen Traum). Ich finde dieses Buch so spannend, da ich selbst der Meinung war, ich würde - wenn nicht wirklich nötig - meinen eigenen Kindern nie eine Auswanderung zu muten… außerdem spannend, weil ich vor meiner Abreise von vielen Frauen gehört habe, dass sie diesen Traum selbst hatten, aber „irgendwann kam der Mann, dann die Kinder, mit dem Job ist das blöd… und nun geht das nicht mehr“ :) Versteht mich nicht falsch, ich verurteile das nicht, umso spannender finde ich aber dieses Buch. Ich selbst hatte, wie gesagt, einen ähnlichen Gedanken… Vielleicht ist ja jemand auf den Geschmack gekommen, es zu lesen…



  • Comments(2)//www.barfuss-in-afrika.de/#post39

Tag 17

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Thu, September 25, 2014 16:56:56

Heute möchte ich mich wirklich kurz fassen! :)

Mein lustigster Moment: eine weiße Frau rennt Weg für Weg durch den Slum, schlängelt sich an Leuten und herumstehenden Zeugs vorbei… in ihrem Windschatten geschätzt fünfzehn lachende Kinder, die ihr hinterher jagen… und ja, das war ich mit den Vorschulkindern :)

Beim ersten Mal haben mich zwei Kinder bis zur Hauptstraße begleitet, gestern waren es fünf und heute fast fünfzehn. Sie bestehen jedes Mal darauf… heute war mir das etwas chaotisch, deswegen habe ich mir einen Spaß draus gemacht und bin die ganze Strecke einfach gerannt... in der Hoffnung die Kinder abzuhängen, aber Kinder können sehr hartnäckig sein :) ...irgendwann wurde ich von einem Lastwagen gestoppt. Wir sind also noch ein paar Schritte zusammen gelaufen, haben Musik gehört und getanzt… mich grault es schon vor morgen ;)



  • Comments(1)//www.barfuss-in-afrika.de/#post38

Tag 16

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Wed, September 24, 2014 15:48:55

6.15 Uhr, mein Wecker klingelt - in meinen Augen viel zu früh. Draußen regnet es und mein erster Gedanke: Scheiße, warum habe ich meinen Schirm in Deutschland gelassen?
7.15 Uhr, ich verlasse das Haus. Zum Glück nieselt es nur noch. Heute bekomme ich direkt ein Taxi bis zur Hauptstraße, den Rest des Weges laufe ich… müde in der Schule angekommen, sehe ich, dass alle Bleistifte für die Vorschulklasse weg sind. In der Box befinden sich nur noch die unbrauchbaren und abgenutzten… Frust steigt auf! Statt in den Unterricht zu gehen, muss ich neue Bleistifte suchen und bin ich wieder mal mit anspitzen beschäftigt… Bis zehn Uhr unterrichte ich Englisch, wobei die Stunde nicht zufriedenstellend verläuft… In der Pause erarbeite und notiere ich mir Matheaufgaben… Dann beginnt der Kunstunterricht. Die - von den ersten Spenden gekauften - Buntstifte kommen zum Einsatz und bewähren sich als sehr gut!

Hier möchte ich einen Absatz einfügen.
In der Schule gibt es Buntstifte. Das sind alles kleine Stummel und die Kinder bekommen zum Zeichnen von der Lehrerin einen Stift für ein Bild. Das Bild gibt die Lehrerin anhand einer Schablone vor. Für mich, als Kunstliebhaberin, war es ein Schock, das zu sehen… Heute habe ich aber alte Hefte der Kinder gefunden und konnte sehen, dass sie sich im ausmalen verbessert haben, dennoch wird mein Kunstunterricht anders aussehen… Beim ersten Mal habe ich jedem Kind jeweils zwei Stifte gegeben, mit dem Hinweis, dass sie die Farben untereinander tauschen können… was zum reinen Chaos wurde. Jedes Kind hat seine zwei Stifte fest an sich gekrallt… und auch alle weiteren, die es finden konnte.

Heute habe ich ihnen gezeigt, wie Kinder in meinem Unterricht zeichnen: Auf jedem Tisch steht ein Behälter mit Stiften in vielen verschiedenen Farben und diese teilen sich die Kinder an einem Tisch. Dabei hat jedes Kind jeweils einen Stift in der Hand (für euch nichts Neues, gehe ich mal von aus:))
…und siehe da: Es hat super geklappt! Die Kinder haben konzentriert und kreativ gearbeitet… Sie haben sich gefreut ein leeres A4-Blatt zu bekommen, auf dem sie malen können, wonach ihnen gerade ist (... normalerweise zeichnen sie in ein A5-Schreibheft.) Am Ende haben sie sich entschieden, ihre Werke an eine Wand zu kleben… Zwei Wände haben wir fast voll, mehr Platz ist kaum noch :) (Beim letzten Mal sollten sie sich selbst zeichnen und die Körperteile benennen.)

Mit dieser Stunde hat mein Tag eine positive Wendung bekommen.

Mit den Kindern, die eher fertig waren, habe ich zum ersten Mal Bewegungslieder ausprobiert. Sie haben freudig mitgemacht oder neugierig zu gesehen. Die restlichen Kinder wollten anschließend auch tanzen… Bereits nach vier Liedern wurde mir sehr heiß… Sobald ich mich länger bewege, merke ich, wie schwül es eigentlich ist.Als ich nach dem Unterricht nach Hause lief, entdeckte ich Kinder auf der Straße, die gerade einen Tanz wiederholten - dieser Moment war toll! Die Kinder empfangen mich freudig, stritten sich um meine zwei Hände und begleiteten mich bis zur Hauptstraße, der Ggaba Road. Wobei sie selbst einen riesen Umweg liefen.

Danach entdeckte ich einen tollen Laden und habe mir mein erstes - in Uganda produziertes - Kleidungsstück gekauft: Ein afrikanisches Kleid - Die Glücksgefühle wurden immer mehr :)(Gestern habe ich einen anderen echt tollen afrikanischen Laden in der Ggaba Road entdeckt und glaubt mir, dort würde ich wirklich alles kaufen und gern komplett mit nach Deutschland nehmen!:))

Nach der Hauptstraße lief ich weiter, bis ein Taxi anhielt… Beim Aussteigen schenkte mir der Fahrer die Fahrt, ich musste nichts zahlen… während ich die letzten Meter wieder lief, genoss ich in Gedanken die vergangenen Glücksmomente… kurz vor meinem Haus stoppte ich an einem kleinen Essensstand. Die Verkäufer kennen mich bereits und empfingen mich mit „Friend“. Sie verkaufen ein lokales Gericht namens „Rolex“. Ich würde es als einen Plins beschreiben, in dem ein Ei, Tomaten und Zwiebeln eingerollt werden bzw. mit dem Ei leicht an den Teig gebraten werden. Ich habe meinen für 1000 Schilling bekommen. Das sind umgerechnet vielleicht 20 Cent…

Als ich dann an meiner Tür stehe und aufschließen möchte, fällt mein Schlüssel hinein in die Wohnung. Die Tür war leider noch zu… Hierzu müsst ihr wissen, dass die Tür eine Öffnung hat. Steht man vor der Tür, greift man durch die Öffnung und verschließt die Tür von innen. Die Öffnung wird danach von außen zugeschlossen.
Die Mama, vielleicht auch Hausfrau meiner Vermieterin (keine Ahnung:)) kam mir liebevoll zur Hilfe. Als erstes wollte sie mit Draht, den Schlüssel unter der Tür durchzuschieben - in meinem schlechten Englisch habe ich versucht, ihr zu erklären, dass das nicht funktionieren kann, da ich einen Anhänger dran habe… anschließend holte sie zwei Holzstäbe, steckte einen durch die Öffnung und auf einmal war der Schlüssel da… ich habe keine Ahnung wie sie das angestellt hat, war ihr aber überaus dankbar… Meine Ersatzschlüssel, drei an der Zahl, befanden sich natürlich in der Wohnung :)

Den Rolex habe ich übrigens nicht komplett geschafft - hebe mir den Rest für abends auf…



  • Comments(6)//www.barfuss-in-afrika.de/#post37

Tag 15

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Tue, September 23, 2014 19:04:52

Seit heute ist es nun offiziell: Ich arbeite und wohne allein. Gearbeitet habe ich aber schon von Beginn an allein. Meinem Mitbewohner ging es gesundheitlich leider nicht gut, daher ist er heute gezwungener Maßen zurück nach Deutschland… Bis jetzt geht’s mir noch gut, mit dem Gedanken allein zu sein… mal sehen, wie lang das an hält…

Seit letztem Donnerstag unterrichte ich die Vorschulklasse allein… ich möchte euch aber noch etwas zu meinen ersten Tagen in der Schule sagen: Unterhalb der Holzwände der Räume kann man die Beine von Vorbeilaufenden sehen. Die Kinder achten sehr darauf und egal wie viel Quatsch sie gerade machen, sobald die Füße eines Lehrers zu sehen sind, sitzen alle gerade und leise auf ihrem Platz… wenn ich den Raum betreten habe, wurden mir stattdessen freudige und laute Begrüßungen zu gesprochen, wurde gewunken und gelacht… es kann man sich wieder streiten, was besser ist! Beides hat seine Vor- und Nachteile… in Deutschland war ich für Kinder oft die „lustige Jenny“ und auch hier habe ich die ersten Tage mit den Kindern Quatsch gemacht und stets jeden angelächelt… mir wurde aber schnell klar, dass das Prinzip der Lehrer ein anderes ist und ich mit meiner Art Schwierigkeiten während des Unterrichts bekommen kann… lustig zu sein, klappt mit schlechten Englisch besser, als streng zu sein, aber wie gesagt, das ist ein beidseitiger Lernprozess… und ich versuche einen Mittelweg zu finden… heute haben die Kinder jedenfalls, das erste Mal „Teacher! Teacher!“ geflüstert, als ich an ihrer Holzwand vorbei gelaufen bin und naja, es saßen nicht alle ordentlich, aber die Mehrheit :)

Zum Unterrichtinhalt muss ich sagen, dass er sich gar nicht so sehr vom deutschen unterscheidet. Begonnen wird immer mit dem Datum, Thema, Einführung/ Beispiel, selbstständiges Lösen von Aufgaben im Heft, Kontrolle durch Lehrer und gemeinsame Auswertung an Tafel… wobei mir auffällt, dass ich den letzten Punkt heute zum ersten Mal gemacht habe und vorher immer vergessen habe. Die Lehrer unter euch stecken natürlich mehr im Thema „Unterrichtsgestaltung“ drin, vielleicht würdet ihr das Ganze anders sehen… Die meiste Zeit arbeiten die Kinder selbstständig an ihren Aufgaben, das heißt, die Lehrer verlassen den Raum und kommen zur Kontrolle zurück. Wichtig ist hier der Aspekt: Gehalt … was die Lehrer in meinem Projekt verdienen, habe ich noch nicht nachgefragt, aber in einer Schule von anderen Freiwilligen bekommen sie pro Tag 1 bis 2 Euro… vielleicht kann ich noch in Erfahrung bringen, was die Lehrer im PCCP bekommen… Bisher weiß ich nur, dass sie selbst im Slum leben.

Anfangs hatte ich Probleme, das Wort „Slum“ zu benutzen. Da ich mit diesem Wort keine vorgefertigten Bilder bei euch hervorrufen wollte. Stattdessen habe ich versucht es mit „Armenviertel“ zu um schreiben. Ich habe nun aber Menschen getroffen, die in einem leben und selbst Slum sagen…



  • Comments(0)//www.barfuss-in-afrika.de/#post34

Tag 11

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Thu, September 18, 2014 19:24:20

Liebe Grüße an Euch alle aus Kampala :)

Dienstagmorgen hatte ich mein kleines Tief zum Glück wieder überwunden und heute gucke ich glücklich zurück auf meine (fast) erste Arbeitswoche…

Heute hatte ich auch das erste Mal das Gefühl, die Kinder auf meine Jenny-Art unterrichten zu können, dass heißt, ohne laut werden zu müssen und so zu tun, als sei ich verärgert - Ich bin einfach viel zu selten über Kinder verärgert und schauspielern bringt bei Kindern nichts :) … aber das wird ein beidseitiger Lernprozess.

Im meinem Notizheft stehen viel zu viele Dinge von denen ich euch erzählen will… viele passen inhaltlich auch nicht zusammen… ich schneide ein paar an…

Mein Ziel mit diesem Blog war es ja, euch auch Gemeinsamkeiten zwischen der afrikanischen und unserer Kultur aufzuzeigen… und ja ich habe wieder eine – für mich sehr tolle – gefunden… und zwar den „EISMANN“! :) In meiner Kindheit kam einmal in der Woche der Eismann ins Dorf gefahren, hat laut gebimmelt, alle sind raus gerannt und haben sich Eis gekauft… und jaaa den gibt’s hier auch! :) Hier schiebt jemand einen kleinen Wagen vor sich hin und verkauft eine Sorte Eis. Nur er bimmelt nicht mal kurz – er bimmelt durchgängig :)

Noch eine Gemeinsamkeit: auch hier tragen die Menschen Wollkragenpullover :) Seit mal ehrlich, hättet ihr gedacht, dass ich hier jemanden mit Wollkragenpullover sehe? Klar, das ist ein Klischee… ich gebe zu gestern war vielleicht der kühlste Tag seitdem ich hier bin, die Sonne war weg und es waren vielleicht nur 20 Grad... Mir war trotzdem heiß, als ich zur Schule gelaufen bin :)

Gestern habe ich meine erste eigene Stunde gehalten… und da war es noch etwas chaotischer als heute. Während dessen hat es geregnet… vielleicht wisst ihr wie laut Regen auf ein Wellblechdach prasselt!? Da war es auf einmal egal, wie laut die Kinder sind… leider hat es aber auch an den Seiten rein geregnet, ein Teil des Raumes stand unter Wasser und Kinder aus den anderen Klassen standen auf einmal bei uns im Raum… für mich war der Unterricht innerlich gelaufen, aber die Vorschulkinder haben ihre Aufgabe bis zum Ende durchgezogen…

Außerdem habe ich gestern, dass erste Mal ein wirklich lokales Gericht gegessen, eigentlich mehrere auf einen Teller… gegessen habe ich es in dem Slum, in dem ich auch arbeite. Ich hatte eine riesen Portion und noch eine extra Schüssel mit Bohnen, bezahlt habe ich weniger als 1 Euro! Ist das nicht absurd? Ich finde, dass sind menschenunwürdige Preise! Dennoch muss ich euch sagen, man fängt an wegen jeden Cent zu handeln, denn viele Preise bewegen sich im Cent-Bereich… Einerseits möchte ich nicht das Menschenbild „des reichen Weißen“ erfüllen und genauso zahlen wie andere Einwohner, andererseits ist es einfach Fakt, dass ich für einen vollen Teller in einem deutschen Restaurant immer mehr als 1 Euro ausgeben würde… Für eine Fahrt von mir zu Hause bis ins Zentrum von Kampala würde ich mit Bus 1000 Schilling zahlen, das sind vielleicht 50 Cent. Mit Boda ist es etwas teurer… Habe einmal 2000 Schilling bezahlt, was immer noch kein Euro ist… wenn ein Bodafahrer da mal 3000 Schilling, bekommt er sie meist auch von mir…

Heute früh bin ich zur Arbeit gelaufen und hatte den ganzen Weg über einen treuen Begleiter - einen Hund. Er ist mir wirklich jeden Weg lang gefolgt, selbst über die stark befahrene Hauptstraße. Erst an der Schule ist er dann nach 15 Minuten umgekehrt... Ich muss sagen, ich bin dadurch mit einem tollen Gefühl in den Tag gestartet... einen Hund zu haben, ist schon etwas tolles!

Gut das soll es für heute gewesen sein :)



  • Comments(3)//www.barfuss-in-afrika.de/#post26

Tag 9

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Tue, September 16, 2014 19:49:43
... ein paar Schnappschüsse von meinem Weg zur Arbeit:

  • Comments(0)//www.barfuss-in-afrika.de/#post23

Tag 8

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Mon, September 15, 2014 18:13:03

Ich möchte ehrlich mit Euch sein – gestern Abend hatte ich mein erstes Stimmungstief und bin davon auch heute noch gerädert. Wieso dies entstanden ist, kann ich nicht genau sagen, gehört wahrscheinlich auch einfach dazu...

Heute hatte ich meinen ersten Arbeitstag. Der an sich sehr entspannt war. Von 8 bis 12 Uhr ist jeden Tag Vorschule (mit einer langen Pause, die heute 40 Minuten ging). Die Vorschule, wie sie hier geführt wird, würde ich in Deutschland als 1.Klasse bezeichnen. Unter anderem lernen die Kinder vollständige Sätze zu schreiben…

In der Vorschulklasse habe ich heute die Beobachterrolle übernommen… und muss feststellen: in Deutschland hätte ich so eine Stunde wahrscheinlich ohne Vorbereitung hinbekommen, aber hier ist meine Sprache ein, in meinen Augen, großes Problem. Ich hatte das Gefühl, dass dadurch meine Kompetenzen verloren gehen und ich zu einer Praktikantin werden könnte. Obwohl ich aber glaube, dass das Ziel sein wird, dass ich allein unterrichte… Den Kindern wurde ich auch als Lehrerin vorgestellt und sie nennen mich "Teacher Jenny" :)

Die Kinder haben mich sehr gut angenommen. Besonders interessant waren meine Haare, mein Tattoo und meine Haut... zum Beispiel sieht man auf der hellen Haut den roten Stift besser ;) In der Pause saßen Kinder aus meiner Klasse und auch welche aus anderen Klassen bei mir… Dazu muss ich aber sagen, dass ich meine Musikbox ausgepackt habe und wir englische Kinderlieder gehört haben. Diejenigen, die mich aus dem deutschen Kindergarten kennen, wissen, dass ich auch dort alle Kinder damit begeistern konnte :)

Von 12 bis 13 Uhr habe ich mit der Vorschullehrerin ein bisschen Deutsch und Luganda gelernt, wobei sie mir mehr in Luganda geholfen hat…

Von 14 bis 15.30 Uhr war ich allein in einer anderen Klasse tätig. Es müsste die 1.Klasse gewesen sein. Meine Aufgabe war es mit den Kindern lesen zu lernen, wofür ich Bilderbücher nutzen sollte. Eine Fibel gibt´s leider nicht und erst recht nicht für jedes Kind :) Mit den Bilderbüchern war das so ´ne Sache… Im Endeffekt war es eine Bilderbuchrunde, wie ich sie im Kindergarten machen würde, wobei einige Kinder gemeinsam mit mir oder auch allein „gelesen“ haben. Was die anderen Lehrer, die ab und zu geschaut haben, davon hielten, weiß ich (noch) nicht :)

Danach habe ich die Schule verlassen und die Kinder, mit denen ich gelesen habe, sind mir ein Stück auf meinem Weg gefolgt. Dabei ist dann dieses Foto entstanden. (Die zwei Kinder links haben sich mit rauf geschmuggelt.)

... mit dem Merken der Namen werde ich eine Weile brauchen ;)



  • Comments(1)//www.barfuss-in-afrika.de/#post21

Tag 5

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Fri, September 12, 2014 21:26:39

Hey Ihr Lieben, fühlt Euch lieb gegrüßt. Ich versuche mich kurz zu fassen, da ich morgen zeitig raus muss. Mal sehen, ob es klappt.

Heute war ich den ganzen Tag mit allen Freiwilligen im Zentrum der Stadt unterwegs. Wofür ich mich das erste Mal auf eine „Boda/Moped“ gesetzt habe… die Boda-Fahrer fahren für unsere Verhältnisse risikoreich und achten nicht auf jede Ampel. Sie passen ja überall durch bzw. vorbei und schlängeln sich durch den Verkehr. Wer meinen eigenen Fahrstil kennt, der weiß, dass mir das nichts ausmacht ;)
Ganz im Gegenteil, mein letztes Mal Moped fahren liegt einfach so lang zurück, dass ich Lust bekomme, selber zu fahren :) Was ich natürlich nicht machen werde, denn ich habe keinen internationalen Führerschein und wäre dafür nicht versichert… „Boda“ fahren ist etwas teurer, als mit dem Taxi/Minibus, aber es geht schneller und ich fühle mich freier.

Nach meinem ersten Tag in der Innenstadt, muss ich sagen, fühle ich mich in meinem Viertel schon leicht zu Hause und auch wohler. Im Zentrum ist es laut, voll und staubig. In dem Video von Kampala, bekommt Ihr einen guten Eindruck. Was ich am Zentrum und auch an dem Viertel liebe: „alle drei Meter“ schallt (in meinen Augen) „Gute-Laune-Musik“ aus dem Geschäften, wie zum Beispiel Reggea oder Dancehall, manchmal auch Sängerinnen wie Celine Dion oder Mariah Carey :)

Als ich heute wieder den Weg vom Foto nach Hause gelaufen bin, hat mich ein Junge (vielleicht acht Jahre) angesprochen… Er meinte, er sieht mich hier jeden Tag lang laufen und muss mich nun mal ansprechen… Ihr seht mein Plan mit dem „Laufen statt Fahren“ geht auf ;) In dem Geschäft um „de Ecke“ habe ich heut ein kleines Regal fürs Bad gekauft. Wobei ich den Leuten beigebracht habe, was „Hallo“ und „Guten Abend“ auf Deutsch heißt. Sie haben mir wiederum geholfen „Ich freue mich, dich zu sehen“ auf Luganda auszusprechen. Geschrieben wird es: „Nsanyuse okulubala“… ich kann es immer noch nicht aussprechen. Mein Versuch im Geschäft, hat bei Allen ein Lachen ausgelöst :) Mit der deutschen oder englischen Aussprache braucht Ihr es nicht versuchen :)
Mein Englisch ist in meinen Augen übrigens grausam… aber ich versuche so viel und so gut ich kann zu sprechen.

Heute verbringe ich die erste Nacht allein in der Wohnung. Mein Mitbewohner ist für ein paar Tage im Krankenhaus – aber keine Sorge, dafür ist nicht „Afrika“ verantwortlich und mir kann auch nichts passieren! :) Gerade habe ich bei lauter Musik die Küche geschrubbt, wobei mich zwei Kakerlaken begrüßten – denen habe ich, freundlicher Weise, die Tür nach draußen geöffnet :)

Nun eine gute Nacht…



  • Comments(2)//www.barfuss-in-afrika.de/#post19

Tag 3

Sept 2014Posted by Jenny Lindner Wed, September 10, 2014 19:59:53
Gerade musste ich feststellen, das ich mir meinen langen Einkaufsweg hätte sparen und einfach in ein Geschäft gehen können, welches 3 Minuten entfernt liegt :)
Mein (sympathischer und netter) Chef ist gerade mit mir in ein Geschäft gegangen, welches ich vollkommen übersehen hatte. Hauptsächlich stehen auf dem Weg (vom Foto) kleine Stände nebeneinander... aber ehrlich gesagt, hatte ich auch Hemmungen dort etwas zu kaufen. Ich habe immer versucht von weiten zu schauen, ob ich was gebrauchen kann :) Doch nun bin ich sehr froh, dass ich "Mein erstes Mal" hinter mir habe. Jetzt kann ich auch spontan um die Ecke gehen und etwas besorgen.

  • Comments(3)//www.barfuss-in-afrika.de/#post18
Next »