Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
ihr die Kommentarfunktionen nutzen.

Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

Tag 52

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Thu, October 30, 2014 17:11:20

In meinen Texten klingt wahrscheinlich alles sehr positiv und das ist es auch. Doch nun mal ein paar Schattenseiten :) Diese sind recht privat und vielleicht nicht für jeden angenehm …

Ich habe einen Schuhkarton voll mit eigener Reiseapotheke, doch das was ich bräuchte ist nicht drin. Bisher waren Schmerz- und Kohletabletten hilfreiche Helfer. Magen- und Darmerkrankungen hatte ich bisher nicht – zum Glück nicht. Jedoch hatte ich wochenlang einen aufgeblähten Bauch, Verstopfungen und Bauchschmerzen. Letzte Woche Montag hat sich eine Blasenentzündung eingeschlichen. Am Freitag wurden daraus starke Rückenschmerzen. Diese hatte ich mit Tabletten betäubt, um das Wochenende genießen zu können. Montagabend musste ich mir einen Heulanfall verkneifen. Die Schmerzen waren nicht mehr auszuhalten. Auf Schmerztabletten wollte ich bewusst verzichten. Einen Tag später, beim Doktor, hat sich heraus gestellt, dass ich eine Harnleiterentzündung habe… Ich selbst war überzeugt, es wäre eine Nierenbeckenentzündung. Doch dies spielt erst mal keine Rolle, da die Medikamente wirken :)

Das Krankenhaus, in dem ich war, wird von einem englischen Ehepaar geführt. In diesem arbeiten Menschen unterschiedlicher Herkunft… Ihr glaubt gar nicht, wie toll es war, mal wieder britisches Englisch zu hören! Ich habe jeden Satz genossen und verstanden - ohne mein Gehirn auf Hochtouren fahren zu müssen :)



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Tag... keine Ahnung

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Wed, October 29, 2014 19:08:32

Ich war so, so naiv! Gestern habe ich einen Supermarkt betreten. Ich war allein. Aus meinem Mund kam ein: „Oh, Gott!“ Die komplette Decke, alle Kassen und Gänge waren voll mit Weihnachtsdekoration… Ich wollte dem doch entkommen! Wie bereits erwähnt: Ich war so naiv…

Ich möchte wieder einmal ein paar Stichpunkte auf meiner Merkliste abhaken.

Einmal ist es der Popcornduft, der in vielen Straßen durch die Lüfte zieht. Dieses wird an Verkaufsständen angeboten. Für die Kinder im PCCP ist es ebenso ein kostengünstiger Snack.

Ich habe bereits erwähnt, dass ich zurzeit öfter am Viktoriasee in Entebbe bin. Dort hänge ich mit zwei, drei wirklich netten und lustigen Typen rum… wir hören täglich einheimische Radiosender, wobei ich ständig denke, das könnte auch ein Hip-Hopsender aus Berlin sein…

Ich wollte mir heute eigentlich mehr Zeit nehmen. Doch es kommt immer anders als man denkt :) Der Rest also ein anderes Mal…



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Tag 47

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Sat, October 25, 2014 11:29:21

Es ist Samstag und ich habe mir etwas Zeit frei geschaufelt, um meinen Pflichten als Blogschreiberin nach zu kommen :) In den letzten Tagen ist mein Lesestoff geschrumpft und ich glaube das hat einen einfachen Grund: „Ich bin angekommen!“ Angekommen als Jenny im Land meiner Träume, als Kollegin unter einem achtköpfigen Lehrerteam, als Klassenlehrerin in einer tollen Vorschulklasse, als Freundin und Bekannte unter Einheimischen… 13 Jahre war es mein Ziel in einem afrikanischen Land, in einem sozialen Projekt tätig zu werden und nun habe es bereits überquert. Obwohl ich euch gerne Gemeinsamkeiten aufzeige, muss ich zugeben, dass sich mein jetziges Leben „natürlich“ anders anfühlt als in Deutschland, dennoch bin ich nun an einem Punkt, an dem es sich - im positiven Sinn - genauso „normal“ anfühlt. Ich habe mich dieses Jahr noch nie wohler in Deutschland gefühlt. Als Erzieherin habe ich täglich viele, viele tolle Erlebnisse erfahren dürfen… und dennoch habe ich keinen Blog drüber geschrieben. Warum also jetzt und hier? Ich lebe doch auch nur ein „normales“ Leben… Klar, ich habe einen Grund, diesen Blog zu führen – der interkulturelle Austausch wird für mich immer von hoher Bedeutung sein. Dennoch reizt er mich gerade weniger, vielleicht weil ich die Notwendigkeit in Deutschland aus den Augen verliere, je länger ich fort bin… Ich merke ich schweife ab. Eigentlich wollte ich über ganz andere Dinge berichten :)

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Was für die Ohren

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Tue, October 21, 2014 18:52:44
... ich liege seit einer Stunde entspannt und müde in meinem Bett, nebenbei läuft Musik. Diese habe ich bereits in Deutschland täglich gehört... Da ich gerade schreibfaul bin, könntet ihr euch durch einen Song, mit mir verbünden :)

http://www.youtube.com/watch?v=PyxLaHmOaYM
http://www.youtube.com/watch?v=-C_3eYj-pOM


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Tag 43

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Tue, October 21, 2014 16:27:26

… ich lebe noch :) Trotz Schlafmangel und damit einhergehender Müdigkeit geht es mir sehr gut. Von Freitag bis Sonntag war ich in Entebbe. Die Stadt, die direkt am Viktoriasee liegt und in der ich mir vorstellen kann, zu leben - in Kampala würde ich auf Dauer nicht leben wollen… Das Wochenende in Entebbe habe ich mit Einheimischen verbracht. Drei nette und lustige Typen. Alle sehr verschieden und doch Kumpels… In meinem Kopf schwirren gerade eine Menge Dinge herum, über die ich schreiben könnte, doch irgendwie verlässt mich die Lust.

Mit der Vorschulklasse hatte ich heute und gestern zwei tolle Tage. Der beidseitige Lernprozess nimmt Gestalt an. Wir lachen eine Menge, sie arbeiten konzentriert, streiten sich, treiben mich in den Wahnsinn, machen mich stolz, sind zwischendurch laut… im Endeffekt eine lebendige, aber „normale“ Klasse, die ich täglich mehr in mein Herz schließe…

Auf dem Foto seht ihr die Bürotür. Durch das Schlüsselloch gucken die Kinder, wenn sie nach der letzten Stunde auf mich warten… Gerade guckt Liz, „die Perfektionistin“, durch das Schlüsselloch :) Ihr konntet sie schon auf anderen Bildern und in meinen Videos sehen...



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letzten Sonntag

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Wed, October 15, 2014 19:00:22

Nun ein kurzer Ausschnitt meines Sonntages: Ratet mal, wo ich war :) „Natürlich“ im Mabira Forest. Doch ab sofort zahle ich keinen Eintritt mehr, sondern besuche die Angestellten und entspanne bei einer kostenlosen Mahlzeit und schwarzen Tee…

Aber ich möchte von meinem Hinweg erzählen. Diesen habe ich wie immer mit Taxi bestritten. Nachdem ich an der Hauptstraße abgesetzt wurde, begann es zu Regnen. Erst leicht, dann stark. Die Straße wurde leer, die vielen Menschen liefen in die Häuser. Nur zwei, drei suchten Unterschlupf unter einem Dach. Ich packte meinen Schirm aus und lief meinen Weg. Aus Hausöffnungen riefen mir Kinder zu. Meine Hose wurde nässer und nässer. Kurz vor der Rezeption war auch ich bereit, mich unter einen Dachvorsprung zu stellen. Ich hielt meinen Regenschirm weiter in der Hand und schaute zu drei Häusern auf der gegenüberliegenden Seite. In ihrer Mitte lag ein kleiner Hof. An der Wäscheleine hing Kleidung.
Ein Mädchen trat aus dem linken Haus, lief mit Regenschirm über den Hof, dann zurück zur Tür und sah mich an. Mit kleinen, langsamen Schritten begab sie sich zum Weg, der zwischen uns lag. Am Wegrand machte sie Halt. Hielt ihren Schirm fest in beiden Händen, schaute zum Boden und schielte zu mir rüber. Fünf Minuten standen wir uns gegenüber. Wir sprachen kein Wort – waren die einzigen weit und breit, die sich im Regen befanden und sich zudem stocksteif gegenüber standen. Ich überlegte, was sie vorhaben könnte. Anscheinend wohnt sie in einem der Häuser. Wo will sie hin? Warum wartet sie nicht, bis der Regen schwächer wird? In diesem Augenblick betrat sie vorsichtig den Weg, überquerte ihn mit einem leichten Zickzack und kam mit jedem Schritt näher auf mich zu, bis sie schließlich neben mir unter dem kleinen Vordach stand. Noch immer gab es keinen Wortwechsel, ebenso blickte sie auf den Weg. Unsere Blicke trafen sich nicht. Ich wartete kurz ab und fragte sie in einem kurzen Satz, ob sie in dort drüben wohnen würde. Ich glaube, sie nickte. Mein Blick wandte sich zurück zum Hof. Ein Mann, mit Kapuze bedeckt, stand vor einer Waschschüssel, holte ein weißes Shirt heraus und hing dieses, sorgfältig ausgebreitet, auf die Wäscheleine. Danach folgte ein weiteres Kleidungsstück, was durch den Regen ordentlich ausgespült wurde. Rechts und links schaute jeweils ein Kind aus den gegenüberliegenden Türen. Ich beobachtete diese Situation und genoss den Moment.
Ich genoss, was ich sah, sowie die fremde Nähe, vielleicht auch Anteilnahme des Mädchens neben mir. Nach etwa fünfzehn Minuten, der Mann war vom Hof verschwunden, öffnete ich meine Tasche, um auf die Uhrzeit zu sehen. Ich hörte ein leises Flüstern des Mädchens: „Biscuit.“ Sie hatte meine Kekse entdeckt, richtete ihren Blick aber sofort wieder von mir weg. Ich überlegt kurz und bot ihr einen Keks an. In fünf Wochen Uganda war sie das erste fremde Kind, dem ich etwas anbot… Während dessen lief ein weiteres Kind über den Hof, überquerte den Weg und stellte sich rechts neben das erste Mädchen. Dieses zerbrach ihren 3 cm großen Keks und teilte ihn. Ein drittes Mädchen kam. Alle Drei standen mit „Sicherheitsabstand“ zu mir. Ich holte die Kekspackung heraus und gab den anderen auch einen Keks. Anschließend fragte ich, ob sie denken, es wäre okay, wenn ich ein Foto von ihren Häusern machen würde. Worauf die Erste mit: „Ein Foto? Ja.“ antwortete. Nachdem sie sich die geschossenen Fotos ansahen, verließ ich sie und verblieb bis zum Abend im Wald.



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Tag 34

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Sat, October 11, 2014 10:09:14

Achtung, ich muss mich berichtigen! Meine Wunschvorstellung von Weihnachtsdekoration verschont zu bleiben, wurde gestern hemmungslos zerstört… Ich war mit anderen Freiwilligen in der Stadt unterwegs. Zwei von ihnen sind gerade aus Kenia zu Besuch… und was erfahre ich!? In Kenia gibt es bereits Weihnachtszeug. Da hängt zum Beispiel ein Schneemann zwischen den Palmen :) Und auch in Kampala haben sie wohl schon Dekoration entdecken können… Ich zum Glück noch nicht. Obwohl ich sagen muss, dass auch dies Momente wären, die mich belustigen könnten :)

Anfang September habe ich euch von den ersten zwei Kakerlaken in meiner Wohnung berichtet. Seitdem sind Kakerlaken zu meinen Untervermietern geworden. An sich sind sie unkomplizierte Mitbewohner, da sie sich tagsüber nicht sehen lassen… stattdessen bin ich nachts vorsichtiger geworden, um nicht aus Versehen auf einen, der vorbei rennenden, schwarzen Flecke zu treten :)
In Deutschland bewege ich mich nachts immer ohne Licht durch die Wohnung. Denn einmal im Halbschlaf kann ich es nicht leiden, von hellem Licht geblendet zu werden. Nun habe ich stets eine kleine Campingleuchte in der Hand, die mir den Weg weisen soll.
Heute Nacht bin ich um halb zwei zu Hause gewesen und wurde im Bad von einem Untervermieter begrüßt. Im ersten Moment habe ich wieder einmal ´nen Schreck und Ekel verspürt. Im zweiten Moment fing ich an der Kakerlake eine Ansage zu machen… und ja ich habe mit ihr gesprochen und ihr verklickert, dass das mein Bad ist und ich mich nicht einschüchtern lassen werde. Sie hat sich dem ergeben und ist hinter die offene Tür geflitzt… dort gab sie laute Kratzgeräusche von sich. Als ich nach ihr sehen wollte, entdeckte ich den leeren „Panzer“ und an meiner Tür hing eine gelb-beige Kakerlake… Ich hab die daraufhin allein gelassen und hinter mir die Schlafzimmertür fest verschlossen ;) Heute Morgen lag sie tot vor meinem Bad… Ich glaube, ich sollte mich über Kakerlaken belesen, vielleicht kann ich mich doch noch mit ihnen anfreunden.



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Tag 31

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Wed, October 08, 2014 17:15:26

Ich möchte noch zwei Sachen hinzufügen:

Jeden Morgen um sechs werde ich von meinem Nachbarn geweckt, der das Tor öffnet und mit seinem Auto an meinem Fenster vorbei fährt. Im Halbschlaf liegend höre ich 15 Minuten später, eine laute, männliche Stimme aus einem Lautsprecher ertönen… so laut, dass ich es als Schreien und unangenehm wahrnehme. Ich verstehe kein Wort und habe die Vermutung, es sei vielleicht was Religiöses – vielleicht spricht jemand ein Gebet für die Öffentlichkeit :)

Jetzt in diesem Augenblick ertönt die laute Stimme erneut. Es klingt, als würde jemand neben meiner Wohnung aus einem Lautsprecher quatschen… Ich verlasse das Haus, um nach zu sehen. Im Hof steht niemand. Ich verlasse das Tor und erblicke ein weißes Auto. Auf dessen Dach ist ein Lautsprecher befestigt und die männliche Stimme brüllt mir ins Ohr. Ich bin genervt, aber auch wiedermal belustigt… Der Kofferraum ist weit geöffnet. Es sitzt ein Mann drin, der Zwiebeln verkauft :) Er ist aber nicht derjenige, der spricht. Das Gesprochene kommt vom Band. Was es ist, weiß ich noch immer nicht. Aber es ist schön zu wissen, jeden Morgen genervt aufzustehen, wegen ein paar Zwiebeln ;)

Gestern habe ich meine Wasserrechnung für den Monat September erhalten. Sie betrug 5 Euro. Um sie zu bezahlen, geht man zur Bank und stellt sich an einen Schalter. Dieser ist extra für das Bezahlen von Strom- und Wasserrechnungen angelegt… Somit bin ich in eine Bank. An der Tür befand sich das Ende einer langen Schlange. Vor mir standen 30 Personen wartend vor einem Schalter. Insgesamt habe ich dort 90 Minuten verbracht. Minuten in denen ich überlegt habe, wie ich an die Kontodaten vom Wasseranbieter komme und ob ich, die einzige wäre, die ihnen den Rechnungsbetrag überweist… vielleicht kann ich das bis zur nächsten Rechnung raus finden :)
Heute habe ich die Stromrechnung erhalten. Diese beträgt genau 1 Euro. Eine Summe die mir fragwürdig erscheint… aber ich werde sie bezahlen und mich für 1 Euro „genüsslich“ an die Schlange stellen ;)




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Ein Monat geht zu Ende

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Wed, October 08, 2014 14:11:32

Ich bin verwirrt und irgendwie frustriert. Was mach ich heute, morgen und am Wochenende? Morgen ist in Uganda Feiertag. Es wird der „Independence Day“ gefeiert. Am 9. Oktober 1962 wurde das Land unabhängig, die britische Kolonialmacht zog sich zurück… Gerade heißt das für mich nur, ich hätte heute und morgen Zeit, etwas Tolles zu erleben… aber genauso hätte ich Zeit, um organisatorisches für die Schule zu erledigen, Vorbereitungen zu treffen oder nichts zu tun… doch auf letzteres kann ich mich gerade schwer einlassen. Seit den letzten Wochenenden hat mich die Reise- und Abenteuerlust gepackt… der Drang etwas Neues zu sehen/zu erleben – der sich gerade schwer bändigen lässt… und mit welchen der deutschen Freiwilligen plane ich meine Zeit? Oder doch lieber mit gar keinen, stattdessen lieber allein bzw. mit Einheimischen?... Es kommen dieses Wochenende zwei Freiwillige aus Kenia zu Besuch, die bei zwei Freiwilligen in meiner Nähe übernachten… und ich freue mich, die vier sehen und auch teilweise neu kennenlernen zu können… aber einen Plan für den Rest der Woche habe ich trotzdem noch nicht… stattdessen quatsche ich euch mit meinen konfusen und wenig mitleiderregenden Gedanken voll :)

Ich möchte euch informativere Dinge berichten und damit wieder meine „Merkliste“ abarbeiten:

Letzten Sonntag war in Kampala Karneval. Den ich selber nicht mit erlebt habe. Ich bin nur an zugesperrten Straßen vorbei und konnte Frauen mit bunten Masken im Gesicht entdecken… aber vom Karneval wird wohl weltweit nicht verschont ;)

…Wenn ich Facebook starte und auf meiner Startseite erscheinen Fotos von Oktoberfesten, Texte über Halloween oder Kneipentour, dann merke ich: Ich bin wirklich weit weg :) Denn mit all diesen Themen brauche ich mich nicht beschäftigen. Weihnachten spielt aufgrund der Religionen eine große Rolle. Die Kinder in meiner Klasse meinten, sie hätten auch einen Weihnachtsbaum, doch davon möchte ich mich live überzeugen :) Von Weihnachtsdekoration oder Gebäcken bin ich zum Glück verschont…

Einkaufen gehe ich mit meiner VISA-Karte, die es mir ermöglicht gebührenfrei Geld abzuheben… Möchte ich damit an einer Kasse bezahlen, stehen meist drei bis vier Leute aus dem Geschäft neben mir und möchten sich vergewissern, dass dies wirklich meine Karte ist… Die Skepsis ist Ursache meines so jungen Aussehens ;) Bisher hat mich jeder auf 20 Jahre geschätzt… Eine Verkäuferin meinte zudem, dass ich auf meinem Passfoto echt fett sei und ganz schön viel abgenommen habe, aber bitte nicht noch mehr abnehmen soll… ich erklärte ihr, dass das Foto einfach nur nicht gut gelungen sei :) Aber ihre ehrliche Art fand ich toll.

Dann muss ich euch sagen: Ich denke gezwungenermaßen doch recht oft an Deutschland, sobald ich in den Städten unterwegs bin. Die ugandische Flagge besteht aus denselben Farben wie die deutsche, eben nur in anderer Reihenfolge und mit mehr Streifen. Trotzdem muss ich immer automatisch an die deutsche Flagge denken, wenn ich hier eine sehe… und in den Städten sehe ich jedes Mal welche...



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Auf ein Neues.

Okt 2014Posted by Jenny Lindner Mon, October 06, 2014 18:19:26

Tag 26: ... Unter der Woche fühle ich mich in Kampala, wie Eine von Vielen. Ich genieße meinen Alltag - doch am Wochenende kommt in mir die Touristin zum Vorschein, dann genieße ich das Gefühl, im Urlaub zu sein!

Heute hat es mich erneut in das „Mabira Forest Reserve“ verschlagen… Jedoch hat mein Wecker dieses Mal bereits um sechs geklingelt - ganz wie es mir geraten wurde. Vor Ort war ich kurz vor 10 Uhr, nachdem der Regen sich zum Glück verabschiedet hatte. Das Einzige was von ihm geblieben war, war der schlammige Boden… Ich war mit meinem Guide für den langen „Forest Walk“ verabredet - lang hieß in diesen Fall fünf Stunden, ohne die Hilfe eines Mopeds/Boda wären es mehr als sechs gewesen…

Seltsamerweise verstand ich ihn dieses Mal sehr gut bzw. konnten wir richtige Gespräche führen. Mein Englisch hat sich innerhalb einer Woche wohl stark verbessert ;) Neben den intensiveren Gesprächen, gab es auch viele Momente der Stille, aber wohltuende Momente… auch der Guide hat schnell gelernt, Stille zu genießen – jeden Falls hoffe ich, dass er sie genossen hat :)

Unser Weg bestand aus mehreren Strecken und Wäldern. Der erste Wald war ähnlich, wie der vom letzten Mal. Jedoch konnten wir hier nun die ersten Affen in den Bäumen sehen. Zwischendurch pflückte der Guide – sein Name ist übrigens Onesmus – irgendwelche Blüten, die wir gemeinsam aßen. Für ihn hatte das mehr Bedeutung als für mich, da er sie wohl als kleiner Junge ständig verputzte.

Um uns herum flogen verschiedene Schmetterlinge. Ich habe es genossen, ihnen beim Gleiten zu zusehen. Es war als würden sie mir den Weg weisen, während sie vor meinen Beinen durch die Luft schwebten. Aus meiner Erinnerung betrachtet, waren sie doppelt so groß, wie die letzten die ich in Deutschland gesehen habe.

Auch in diesem Wald wurde ich des Öfteren von Ameisen angegriffen und Onesmus hatte Recht: Die beißen wirklich. Sie beißen in die Haut und hängen dann dran. Doch sobald man sie entfernt, merkt man nichts mehr…

Ähnlich wie beim ersten Mal hat sich Onesmus sehr um mich gekümmert. Ich dachte des Öfteren, dass das für euch bzw. für meine Familie vielleicht toll sein wird, zu hören!? :) Ich brauchte manchmal nur ´nen Mucks machen, schon hielt er mich am Arm und war besorgt. Bei jedem Geräusch das ich machte – z. B. aufgrund dessen, weil ich eine Spinnenwebe im Gesicht hatte oder leicht über einen Ast gestolpert bin – kam ein „Sorry“… und nach meinem Befinden kam das einfach zu oft. Das „musste“ ich ihm dann abtrainieren :) Ich kann mit (in meinen Augen) oberflächiger oder überflüssiger Freundlichkeit einfach nichts anfangen… Er hat es irgendwann nur noch sehr leise gesagt und dann ganz sein lassen – auch dieser Prozess war ein lustiger :)
Im Allgemeinen hatte ich das Gefühl, Onemus ist viel zu anständig erzogen worden. Da musste ich bisschen entgegen wirken :) Aber nein! Genau deswegen fühlte ich mich sicher… Ohne ihn hätte ich vielleicht noch mehr Abenteuer erleben können, aber das wären dann risikoreiche Erlebnisse gewesen – ganz so wie ich sie liebe... Mit ihm habe ich den Weg auch genossen und unsere unterschiedlichen Charaktere sorgten immer wieder für lustige Momente…

Nach etwa 90 Minuten hatten wir den ersten Wald verlassen und kamen auf eine große Lichtung. Alles war komplett in Grün getunkt, nur ein brauner Weg und der blaue Himmel hoben sich ab… Wir saßen auf einer Wiese, bewachsen von Gräsern, über uns verliefen Stromkabel, Vögel zwitscherten in unterschiedlichen Tönen, die Papierbäume der Wälder erinnerten mich aufgrund ihrer hellen Farbe an Birkenbäume und ich hatte das Gefühl, ich wäre in Deutschland angekommen. Dies war ein tolles Gefühl, denn ich liebe die Sommerzeit in Deutschland. Ich liebe es, wenn die Gräser in bunten Farben blühen… und ich hätte hier in dieser Lichtung stundenlang verweilen können! Der für mich einzig erkennbare Unterschied, war ein Affe, der auf einem waagerechten Ast stand und scheinbar zu uns rüber sah.


Nach unserem Zwischenstopp liefen wir in den gegenüberliegenden Wald. Der keine erkennbaren Wege aufwies, was ich gleich mehr genoss… mehrmals mussten wir über umgestürzte Bäume klettern, bis wir an einem Wasserfall ankamen und wieder saßen… ich blickte um mich und sah einen riesen Baum, der in seiner Krone eine Holzplatte trug. Im ersten Moment dachte ich: Was macht denn ein Baumhaus in dieser Höhe!? :) Onesmus schätzte den Baum auf etwa 35 Meter und erklärte mir, dass man hinaufklettern könnte, doch er habe dafür viel zu viel Angst. Ich erblickte kleine Metallhalterungen im Baum und stellte mir vor, wie es wäre, wenn ich hochklettern würde. Mit einem herunterhängenden Seil, hätte ich mich vielleicht absichern können und dann wäre das gegangen… aber das waren nur Gedanken, denn gereizt hätte mich diese Herausforderung, ebenso die wahrscheinlich tolle Aussicht von dort oben… Wir sind dann einen kleinen Abhang hinunter, um direkt ans Wasser zu kommen. Onesmus hielt mich dabei wieder ständig am Arm, wobei ich ihm erklärte, dass ich so nicht laufen könne. Er wiederum meinte, er wäre damit ein dritter Arm :) Nachdem er es nicht lassen konnte, scherzte ich: Er hätte meinen Arm anscheinend sehr gern!? :)

Wir standen mitten im Fluss, auf ein paar Steinen und erblickten über uns einen erneuten Baum mit Holzplatte. Zu diesem führte ein Seil und plötzlich kam jemand am Seil hängend auf die Platte gefahren – Ich befand mich quasi unter einem afrikanischen Kletterwald… der mit der Höhe der deutschen Kletterwälder nicht viel zu tun hatte! :) Daraufhin meinte ich, dass ich gerne dort oben wäre und Onesmus erwiderte, er würde mir das fürs nächste Mal organisieren. Jedoch liefe dieses Angebot über einen anderen Anbieter… und obwohl er - wie er selbst sagt - sehr viel Angst hat, würde er da mit mir rauf… na, mal sehen. Das kann ja nur lustig werden :)

Für den Rückweg durfte ich mich entscheiden, ob wir den Sandweg/die Straße wählen oder denselben Weg durch den Wald gehen… ich entschied mir für die Straße, in der Hoffnung weitere Eindrücke zu bekommen und es war die richtige Entscheidung… selbst hier, im anscheinenden „Nichts“ kam ein Bodafahrer vorbei und fuhr uns die 7 km zur Rezeption. Rechts und links passierten wir Kaffee-, Zucker- und Maisplantagen, zwischendrin jeweils ein Holz-, Stein- oder Lehmhaus in denen die Farmarbeiter bzw. Besitzer wohnten… viele schreiende Kinder, die Muzungu riefen und sich genauso freuten wie ich – zwar über verschiedene Dinge, doch es war toll... Eine tolle Fahrt, die mir den Teil Afrikas zeigte, in den ich mich vor vielen Jahren verliebte… In diesem Blog versuche ich eine klischeehafte Darstellung „Afrikas“ zu vermeiden – gerade Kampala ähnelt in seinem Zentrum einer europäischen Stadt… Doch ich selber liebe die Dörfer und das traditionelle Leben, daher habe ich es genossen, einen kleinen Ausschnitt miterleben zu können… und auch euch möchte ich, das traditionelle Leben nicht komplett vorenthalten.



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