Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
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Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

„Nedda, Teacher!“

Nov 2014Posted by Jenny Lindner Wed, November 05, 2014 18:21:10

Leute, ich hab ein Problem! Meine Notizliste wird immer länger und ich komme mit dem Abhaken nicht mehr hinterher… Doch ich lasse die Liste heute Liste sein und schreibe stattdessen frei aus´m Bauch raus.

Mein schönster Moment gestern: Ich betrete die Schule. Alle Klassen haben ihren Unterricht begonnen und arbeiten leise an ihren Aufgaben. Ich laufe auf die Wand meiner Klasse zu. Die Kinder entdecken meine Füße und starten mit dem Rufen von „Teacher Jenny“. Ich bleibe am Ende der Wand stehen, bewege nur meinen Kopf langsam nach vorne... Schiele leicht in die Klasse hinein, lächle die Kinder an, worauf sie noch lauter „Teacher Jenny“ rufen… und ich möchte euch nichts vor machen - Wer würde es, nicht genießen, so empfangen zu werden? - Obwohl ich wusste, dass alle anderen Klassen gerade leise und nur meine Kinder laut sind, habe ich den Moment genossen und wieder eine kleine Tanzeinlage hingelegt. Aber nicht, dass ihr denkt, ich tanze wirklich! Es ist eher mit Zappeln vergleichbar :) Aus der Nachbarklasse stand ein Kind in einer Lücke zwischen zwei Wänden, beobachte uns und lächelte mich an.

Mein nervigster Moment heute bzw. kein Moment sondern heutiger Dauerzustand: Ich habe keine Lust mehr Englisch zu sprechen, geschweige es zu hören und verstehen zu müssen. Scherzhaft meine ich zu einem Kumpel, ob er nicht mal Deutsch sprechen könne… und schmeiße ihn ein paar deutsche Sätze an den Kopf.
Nach zwei Monaten habe ich mir gestern ein Wörterbuch „Deutsch-Englisch“ besorgt. Noch in Deutschland dachte ich, ich bräuchte dies nicht - ich lerne Englisch, in dem ich es täglich spreche und höre! Natürlich lerne ich auch immer etwas dazu… doch nicht genug. Die meiste Zeit verbringe ich damit, nach Worten zu suchen :) Heute habe ich in der Schule ein dünnes Wörterbuch „Englisch-Luganda“ entdeckt, worüber ich erfreut war. Dies werde ich für meinen Unterricht nutzen. Für die Kinder und mich ist es immer spaßig, wenn ich Worte in Luganda spreche… und irgendwie schafft dies noch mehr Verbundenheit.

Mein schönster Moment heute: Feierabend. Ich verlasse das Büro. Laufe um die Ecke, auf die Straße. Erblicke von weiten einen Jungen aus meiner Klasse. Er sieht mich, rennt hinter eine Tür und ruft „Teacher Jenny“… Anschließend stürmen fünf Kinder aus der Tür hervor, laufen auf mich zu, schreien ebenfalls „Teacher Jenny“… Ich lächel sie an, halte meinen Rucksack fest, renne ihnen entgegen, dann an ihnen vorbei und vor ihnen davon. Ohne zu überlegen rennen sie mir mit einem Lachen hinterher. Nach gefühlten 100 Metern stoppe ich. Liz umschließt meinen rechten Arm mit einem Lächeln im Gesicht und murmelt „My teacher. My teacher…“ - das war mein schönster Moment heute. Natürlich ist es schwer diesen per Internet nachvollziehbar zu machen… Doch ihr müsst wissen, sie sprach diese zwei Worte voller Glück, Stolz und Herzlichkeit - diese Gefühle sind bei mir angekommen.



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