Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
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Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

3. Quartalsbericht

Über michPosted by Jenny Lindner Tue, June 23, 2015 11:35:38

Seit meinem letzten Bericht sind drei Monate vergangen. Blicke ich auf diese Zeit zurück, hebt sich ein Erlebnis hervor – Der Urlaub bei der Familie/Verwandtschaft meiner Kollegin und Freundin Stella, wird immer ein Highlight meines Freiwilligendienstes sein. Dieser ermöglichte mir einen differenzierten Einblick in die Naturschönheit Ugandas, vor allem aber in die Lebensrealität der Menschen außerhalb Kampalas. Die Teilhabe und Mitwirkung an ihrem Alltag ermöglichte mir einen Blick auf ihre – sowie meine eigene – Kultur. Im täglichen beisammen Leben kam es beinah im Minutentakt zum kulturellen Austausch. Wobei dieser stets aus gegenseitigem Interesse, Lernbereitschaft und einer großen Prise Humor bestand. Aber auch das Leben und Arbeiten in Kampala ermöglicht mir, mich mit Menschen über ihre individuellen Vorstellungen, Ideen und Perspektiven austauschen. Wodurch ich weiterhin auf eine Verbesserung meines Englisch baue.
Wobei zu erwähnen ist, dass gerade mein „schlechtes“ Englisch für viele unterhaltsame Gespräche sorgt. Meine fehlenden Sprachkenntnisse in Kombination mit dem Titel „English-Teacher“ sorgen für einen lustigen Einstieg in neue Unterhaltungen. Wodurch mein Englisch nun keine Hürde mehr darstellt, ich selbst sein können… Aufgrund der starken Sprachbarriere zu Beginn meines Dienstes, hatte ich die Befürchtung mich nie von meiner „wahren“ Seite zeigen zu können. Nun vermute ich, dass auch ein paar ugandische Freunde all meine Macken kennen.

In der letzten Woche habe ich dennoch, eine negative Veränderung in mir feststellen können – ich bin genervt, genervt von oberflächigen Gesprächen, von immer gleichen Fragen, von immer gleichen Sprüchen, welche ich täglich auf der Straße, beim Ausgehen oder auf einem Boda-Boda sitzend, zu hören bekomme. Natürlich kann und möchte ich niemanden zum Vorwurf machen, dass er an einem Gespräch mit mir interessiert ist. Jedoch fällt es mir jeden Tag schwerer eine ausführliche Antwort zu geben. Was wiederum Auslöser dafür ist, dass ich mich das erste Mal nach einem Aufenthalt in Deutschland sehne. In den letzten Tagen ist mir bewusst geworden, egal wie lang ich in Kampala/Uganda lebe, egal wie einheimisch ich mich fühle und bestenfalls verhalte, für die Mehrheit mir fremder Personen werde ich im ersten Augenblick, immer ein Tourist und „Muzungu“ sein. Neun Monate lang konnte ich damit locker und positiv umgehen, doch brauche ich nun eine neue „Strategie“…

In den letzten drei Wochen habe ich an einem Luganda-Kurs teilgenommen. Die erlernten Worte wende ich gerne bei den Kindern der 1. Klasse an, jedoch reicht es nicht für tiefer gehende Gespräche. Dies bereitet mir vor allem Probleme, wenn ich mehr über das Privatleben der Kinder erfahren möchte. Statt selbst mit den Kindern zu sprechen, bitte ich Stella, bestimmte Gesprächsthemen zu führen. Als ahnungslose Zuhörerin beende ich die Gespräche meist gespalten. Dennoch habe ich zu den Kindern ein offenes und vertrautes Verhältnis. Die Sprachbarriere hindert uns nicht am gemeinsamen Spaß haben und Lernen. Mit der Entwicklung meiner eigenen Unterrichtsführung ebenso meiner Rolle „Lehrerin“ bin ich zufrieden. Beides ist nicht mit vor neun Monaten vergleichbar. Ich bin nicht mehr nur die locker, witzige. Stattdessen lege ich meinen Schwerpunkt auf die individuelle Lernentwicklung der Kinder. Wofür ich ebenso auf eine klare sowie strenge Führung zurückgreife. Am wichtigsten ist mir jedoch die Motivation und Freude der Kinder am Lernen zu entwickeln bzw. zu erhalten, wobei ich auf mehr Abwechslung der Unterrichtsmethoden sowie Interaktion in der Klasse setze… da ich nach neun Monaten immer noch mit Freudengesang von der Klasse begrüßt werde, motivieren die Kinder mich gleichermaßen.

Privat beschäftigt mich weiterhin das Thema „Flüchtlingshilfe“. Wobei ich seit gestern eine Frage im Kopf habe:
„Wie können dieselben Personen, die meinen Freiwilligendienst in Uganda, sowie mich aufgrund meiner Toleranz und Weltoffenheit unterstützen, fordern, dass Deutschland aufhören muss, sich um Flüchtlinge zu kümmern?" Natürlich habe ich darüber nachgedacht und mir fallen Erklärungen ein, dennoch bin ich wieder einmal enttäuscht, wach gerüttelt worden.



  • Comments(1)

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Posted by Mutti Mon, June 29, 2015 09:42:07

Ich kann das nicht glauben, dass Du Dich nach Deutschland sehnst. Bei diesen Fotos! Ach- Ok, da steht ja nur Aufenthalt! :)