Barfuß in Afrika...

Barfuß in Afrika...

ein Jahr Uganda!

Auf dieser Seite möchte ich Euch über meine – mal mehr mal weniger spannenden – Erlebnisse in Kampala berichten. Fühlt Euch herzlich eingeladen an meinem Freizeit- und Arbeitsleben teil zu nehmen! Gerne, könnt
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Liebe Grüße aus Nsambya, Kirombe

1.Quartalsbericht

Über michPosted by Jenny Lindner Sun, December 07, 2014 20:25:41

Alle drei Monate haben Freiwillige, wie ich es einer bin, die Aufgabe einen Quartalsbericht zu schreiben. Dieser wird an VIA e.V. und „weltwärts“ geschickt. Dient somit der Rückmeldung, ebenso der Selbstreflexion. Ich habe diesen Bericht lange vor mich hin geschoben. Da ich ständig Berichte auf diesem Blog schreibe, hat mich diese Aufgabe eher frustriert, als erfreut. Doch beinhaltet der Text eine kurze Zusammenfassung der letzten drei Monate und gleichzeitig der letzten (gefühlt) 100 Blogeinträge ;) Bzw. steht „vielleicht“ auch etwas für euch Neues drin…

Wo soll ich anfangen, wenn ich mein Ankommen und Einleben der letzten drei Monate beschreiben soll? Angekommen und Eingelebt? Das habe ich mich nach gefühlt vier Wochen. Was wiederum bedeutet, dies ist acht Wochen her... Jedoch kann ich mich gut an meinen ersten Tag und an den ersten Moment in meinem neuen zu Hause erinnern. In diesen Stunden habe ich meinen ersten, größten und bisher einzigen Schock auf ugandischen Boden erlebt. Welcher allein durch eine leere und dreckige Wohnung ausgelöst wurde. Jeder Raum war komplett ausgeräumt, lediglich ein Bett war vorhanden. Normalerweise liebe ich es, mich als Raumgestalter austoben zu können. Doch ausgerechnet jetzt und hier? Ohne eigenes Geld, ohne jegliche Idee: Wo kann ich, was einkaufen und wie bekommt man das wiederum zum Haus? Freundlicherweise hat mir mein Chef, die komplette erste Woche frei gegeben. Jedoch ist, in der ersten Woche nicht viel zustande gekommen. Ich war noch nicht bereit, mich um die Einrichtung der Wohnung zu kümmern – war ich doch aus anderen Gründen nach Uganda gekommen… Wohnlich wurde es innerhalb des ersten Monats.

Zudem ging es nach diesem kurzen und anfänglichen Tief nur noch bergauf für mich. Ich war und bin dankbar im PCCP arbeiten zu dürfen und bin ebenso dankbar für ein tolles Leben in Uganda. Ein tolles Leben, welches sich innerhalb weniger Wochen normal und alltäglich angefühlt hat – dies jedoch im positiven Sinn! Die Phase der Euphorie habe ich nie erreicht, habe jedoch jeden Tag genießen können.
Bereits nach meiner ersten Woche in der Schule wurde mir eine eigene Klasse anvertraut. Ab sofort war ich Klassenlehrerin der Vorschulklasse. Dies beinhaltete, den Unterricht in allen Fächern selbst durchzuführen: Mathematik, Englisch, Schreiben und Kunst. Ich war dankbar für das Vertrauen, was mir entgegengebracht wurde. Ebenso, als gelernte Erzieherin, froh über diese neue Herausforderung. Eine Vorschule zu gestalten, wäre in Deutschland kein Problem für mich, jedoch schien mir die Vorschule im PCCP wie eine 1./2. Klasse. Was wiederum bedeutete, ich war keine Erzieherin sondern ab sofort „richtige“ Lehrerin. Sah ich mir die Lehrer der Schule an, schienen mir diese streng und ernst während ihres Unterrichts. Die Kinder fürchteten sie… waren schweigsam, sobald sich einer der Lehrer näherte. Betrat ich den Raum, wurde getanzt, geschrien und gelacht. Wie sollte aus mir jemals eine Lehrerin werden? Eine Lehrerin, mit der meine Kollegen zufrieden sein könnten. Jedenfalls dachte ich anfänglich, mich anpassen zu müssen, um sie zufrieden zu stellen. Jedoch habe ich diesen Gedanken wieder abgelegt – Ich könnte niemals eine ernst zu nehmende und authentische Lehrerin werden, würde ich dafür meine Persönlichkeit verleugnen. Stattdessen fing ich an den gemeinsamen Spaß mit den Kindern zu genießen. Wichtig war es mir, dass sie lernen, während ihrer Stillarbeiten und im mündlichen Austausch konzentriert und ruhig zu arbeiten. Wobei die Herausforderung war, diese Konzentration und Stille zu halten, während ich mich im Raum befand. Nachdem wir in unserem gegenseitigen Lernprozess gut vorangekommen waren, war die Schulzeit bereits wieder vorbei. Es folgten die Abschlussprüfungen sowie anschließende Ferien.

Da die leere Wohnung mein einziges „Problem“ war, lässt das daraus schließen, dass ich von einem Kulturschock verschont geblieben bin. Vielleicht hat er mich erschlichen und ich habe ihn nicht bewusst erlebt… Genau weiß ich es nicht. Jedoch hatte ich seit dreizehn Jahren das Ziel in einem afrikanischen Land und dortigen Sozialprojekt tätig zu werden, wodurch ich mich in keiner Sekunde „ins kalte Wasser geschmissen“, gefühlt habe. Ich war mehr als bereit, mich auf neue und ungewohnte Situationen einzustellen. Dennoch habe ich, den ersten Moment allein als weiße Frau, durch die Straßen meiner Nachbarschaft laufend, als aufregend und zugleich angespannt erlebt. Viele Fragen und Gedanken sind mir damals durch den Kopf geschwirrt, welche heute keine Rolle mehr spielen. Heute entdecke ich bekannte Gesichter, denen ich Vertrauen und Freude schenke, da auch sie mir dies entgegenbringen. Natürlich gibt es kulturelle Unterschiede zwischen mir und meinen Nachbarn, doch begegnen mir täglich genauso viele Gemeinsamkeiten. Gespräche, gemeinsam durchlebte Alltagssituationen und eine Prise Humor verhelfen aus fremden Denk- und Handelsweisen etwas Neues entstehen zu lassen. Oft begegnen mir Momente, in denen ich den gemeinsamen Austausch als eine Bereicherung für beide Seiten empfinde.

Dennoch stoße ich beim Austausch an meine persönlichen Grenzen. Kommunikation ist zwar möglich, jedoch vermisse ich tiefgründige und vor allem fachliche Gespräche. Leider sind diese aufgrund meines verjährten Schulenglisches nicht möglich. Dieser Aspekt beschäftigt mich, auf privater sowie beruflicher Ebene, seit ein paar Wochen. Ich würde mich sehr gerne, fachlich mit meinem Chef sowie meinen Kollegen austauschen können. In der Hoffnung ebenso auf schulischer Ebene eine Bereicherung für beide Seiten sichtbar werden zu lassen. Ein Beispiel könnte der Aspekt „Gewalt an Kindern“ sein. Die Kinder im PCCP werden von ihren Lehrern geschlagen, sowie zum gegenseitigen Schlagen erzogen. Jedoch habe ich diese Momente, bewusst nie emotional an mich heran gelassen. Ebenso habe ich mich bereits in Deutschland mit Situationen wie diesen auseinandergesetzt, unter anderem aufgrund meines Berufes. Leider könnte ich aufgrund meiner Sprachbarriere keinen fachlich, wertvollen Austausch zu diesem Thema führen. Jedoch hoffe ich, ein praktisches Vorbild in und mit „meiner“ Klasse sein zu können. Dann könnte dieses Thema zu einem späteren Zeitpunkt aufgegriffen werden.

Zurzeit sind Ferien, was die Arbeit im PCCP in den letzten drei Wochen minimierte. Jedoch führe ich nächste Woche einen Computerkurs weiter und hoffe weitere Ferienprojekte umsetzen zu können. Mein Ziel ist es in den kompletten Ferien zu arbeiten. Außerdem möchte ich Ideen für ein nachhaltiges Projekt sammeln, um dieses im nächsten Schuljahr starten zu können. Pädagogische Angebote kann ich, aufgrund des eingeräumten Freiraumes durch meinen Chef, jeder Zeit im Unterricht ebenso danach umsetzen. Dies werde ich tun. Jedoch beschäftigten mich die unwürdigen Lebensumstände und die Grundbedürfnisse der Kinder und ihrer Familien. Zurzeit spiele ich mit dem Gedanken ein Projekt auf systemischer Ebene planen zu wollen. Ebenso wichtig ist mir eine beinhaltende Nachhaltigkeit. Leider „stehe“ ich noch „auf den Schlauch“. Erhoffe mir in den nächsten Wochen jedoch einen klareren Blick.



  • Comments(2)

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Posted by Jenny Lindner Mon, December 08, 2014 07:54:11

Ich wähle den Weg, Vorbild zu sein. Meine deutsche Mitfreiwillige geht diesen Weg mit mir und ich hoffe, alle Freiwilligen nach uns ebenso. Praktisch umgesetzt bedeutet dies, in zwei von vier Klassen findet unter unserer Aufsicht keine Gewalt statt... irgendwann, in einem wahrscheinlich langen Prozess, erhoffe ich mir, den Lehrern zeigen zu können, dass Kinder auch ohne Gewalt lernen und sich "gut" entwickeln können...

Posted by Oma Mon, December 08, 2014 01:31:17

Hallo Jenny, ich muss schon sagen, mich erschreckt das, dass die Kinder von den Lehrern geschlagen werden und auch dazu angehalten werden, es auch zu tun. Alleine wirst du nichts ausrichten können. Hast du nicht jemanden, den du mit dir verbünden kannst. Dann wäre es nicht mehr so sehr schwer oder aussichtslos.
Wie du mit deiner deiner Klasse umgehst, ist toll. Den Kindern gefällt es doch offensichtlich.